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Tote durch Pyrotechnik und hunderte Festnahmen: Unruhige Silvesternacht in Deutschland
Tausende Polizei-und Feuerwehreinsätze, Attacken auf Beamte und unbeteiligte Passanten sowie Tote durch selbstgebaute Feuerwerkskörper: In vielen deutschen Städten ist die Silvesternacht unruhig verlaufen. In Berlin nahm die Polizei nach ersten Angaben von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) mehr als 420 Menschen fest und zählte 30 verletzte Beamte. Auch in Hamburg und anderen Städten gab es mehrere Fest- oder Ingewahrsamnahmen etwa nach Pyrotechnikbeschuss von Einsatzkräften.
Unabhängig voneinander starben in Bielefeld zwei 18-Jährige durch die Explosion von selbstgebauter Pyrotechnik, wie die Polizei in der nordrhein-westfälischen Stadt mitteilte. Sie erlitten tödliche Gesichtsverletzungen. Die Beamten gingen nach ersten Ermittlungen nicht von Fremdverschulden aus, Todesermittlungsverfahren liefen.
Bundesweit dutzende Menschen erlitten teils schwerste Verletzungen durch Feuerwerkskörper. Allein im Unfallkrankenhaus Berlin wurden nach Angaben einer Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur AFP mehr als 30 Menschen behandelt, darunter acht Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Einigen mussten Finger oder Teile der Hand amputiert werden, andere erlitten Verbrennungen oder schwere Augenverletzungen.
Einzelne Verletzungen durch Pyrotechnik meldeten die Einsatzkräfte unter anderem auch aus Rostock, Kiel, Bremen sowie Jena. Dazu kamen unzählige Einsätze unter anderem wegen brennender Mülltonnen, Autos, Wohnungen oder Balkonen. Allein die Feuerwehr in Hamburg zählte einer vorläufigen Bilanz zufolge bis 6 Uhr morgens 1350 Alarmierungen, die Rettungsleitstelle im bayerischen Nürnberg erhielt fast 900 Notrufe. Die Feuerwehr Berlin arbeitete wie im Vorjahr über 1830 Einsätze ab.
Die Polizei war nach eigenen Angaben durch Aggressionsdelikte und andere Einsätze im Zusammenhang mit Feiern gefordert. In Berlin und anderen Großstädten wurden nach deren Angaben wiederholt auch Beamte oder Passanten gezielt mit Pyrotechnik beschossen. Allein in Berlin waren nach größeren Ausschreitungen in vorigen Silvesternächten extra rund 3200 Polizisten abgestellt worden, in Hamburg etwa 1000 Beamte.
Aus der Hansestadt meldete die Polizei in einer ersten Bilanz mehrere Zwischenfälle insbesondere aus dem Stadtteil Steilshoop. Dort sei aus teils "größere Personengruppen" Feuerwerk etwa auf Wohnhäuser oder Einsatzkräften abgefeuert worden, was "zeitweise umfangreichere Interventionsmaßnahmen" erforderlich gemacht habe. Stadtweit wurden zehn Polizisten verletzt und konnten den Dienst nicht mehr fortsetzen.
Berlins Innensenatorin Spranger erklärte, in der Hauptstadt seien die Polizei "konsequent gegen Gewalttäter mit allen rechtsstaatlichen Mitteln vorgegangen". Einsatzstrategie und -konzept seien erfolgreich gewesen. Dennoch sei es auch diesmal zu "Gewalt" gekommen. Nun müsse die Justiz Straftaten "schnell und konsequent" verfolgen. Stadtweit gab es bis Donnerstagfrüh demnach mehr als 2300 Einsätze der Polizei.
Aus Bremen, Hannover, Kiel und weiteren Städten meldeten Polizei und Feuerwehr vereinzelt Angriffe auf Einsatzkräfte. In Bremen wurde die Feuerwehr durch Böllerbewurf bei zwei Löscheinsätzen behindert, die Polizei musste einschreiten. Dort wurden fünf Beamte verletzt, sie blieben aber im Dienst. Auch in Hannover und Kiel wurde die Polizei mit Pyrotechnik beschossen oder etwa mit Flaschen beworfen. In Hannover gab es unter anderem drei Fest- und 28 Ingewahrsamnahmen
Zu Attacken auf Einsatzkräfte kam es auch in kleineren Städten. So bewarf im schleswig-holsteinischen Barmstedt ein 15-Jähriger zwei Polizisten mit einem illegalen Böller. Der Sprengkörper explodierte laut Polizei direkt neben dem Kopf eines Beamten, dieser ist nun dienstunfähig. Das Landeskriminalamt ermittelt gegen den Jugendlichen.
Andernorts blieb die Lage nach Angaben der Einsatzkräfte überwiegend oder vollständig ruhig. "Angriffe auf Einsatzkräfte der Feuerwehr waren nicht festzustellen. Vielmehr zeigten sich die Beteiligten ausgesprochen dankbar und rücksichtsvoll", erklärte die Feuerwehr in Mainz. Auch die Feuerwehr in Stuttgart hob hervor, dass bis 6 Uhr keine Angriffe auf Einsatzkräfte gemeldet wurden. Es sei ein zwar "arbeitsintensiver, aber friedlicher Jahreswechsel" für sie gewesen.
Die Polizei in der baden-württembergischen Landeshauptstadt meldete ebenfalls keine besonderen Vorkommnisse. Sie sprach vorläufig von einer "positiven Bilanz" und 14 Strafanzeigen etwa wegen Verstößen gegen das Waffengesetz oder Körperverletzung. Dazu kamen Anzeigen gegen 33 Feiernde wegen des Verstoßes gegen Feuerwerksverbotszonen in der Innenstadt. Viele Städte richtete diese an zentralen Plätzen ein.
Vielerorts sprachen die Behörden von einer ruhigeren Silvesternacht als in den vorigen Jahren. Die Deutsche Polizeigewerkschaft in Berlin warnte jedoch vor einer zu positiven Sicht. Zwar sei es "im Großen und Ganzen" in der Hauptstadt eine "gute Silvesternacht" gewesen, erklärte Vizelandeschef Frank Teichert. Es seien aber vielfach Beamte beschossen worden. "Chaoten" forderten so "gezielt den Staat heraus".
Deutschlandweit begrüßten Menschenmengen das neue Jahr auf Straßen und Plätzen. Allein im Hamburger Vergnügungsviertel St. Pauli um die Reeperbahn zählte die Polizei in der Spitze bis zu 25.000 Menschen.
G.Schmid--VB