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Präsidentschaftswahl in Chile: Linkskandidatin Jara und Ultrarechter Kast in Stichwahl
Bei der Präsidentschaftswahl in Chile wird die Entscheidung in einer Stichwahl zwischen der Linkskandidatin Jeannette Jara und dem ultrarechten Politiker José Antonio Kast fallen. Beim ersten Wahlgang am Sonntag kam die gemäßigte Kommunistin Jara nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen auf 26,8 Prozent, gefolgt von Kast mit knapp 24 Prozent. In der entscheidenden zweiten Wahlrunde am 14. Dezember ist der deutschstämmige Kast laut Umfragen der Favorit.
Der Kandidat der Republikanischen Partei dürfte dann die Stimmen von Anhängern von anderen Rechtskandidaten auf sich vereinen, die im ersten Wahlgang ausgeschieden sind. Der 59-Jährige, der sich bereits zum dritten Mal um das Präsidentenamt bewirbt, zeigte sich nach dem ersten Wahlgang siegesgewiss: "Wir werden unser Heimatland wieder aufbauen", sagte der Vater von neun Kindern vor Anhängern.
Der Anwalt, dessen Vater in der NS-Zeit Wehrmachtsoldat war, wäre der erste Rechtsaußen-Präsident in Chile seit dem Ende der Herrschaft von Diktator Augusto Pinochet (1973-1990). Kast selbst macht keinen Hehl aus seiner Bewunderung für den Diktator, der tausende Oppositionelle verfolgen, foltern und töten ließ.
Linkskandidatin Jara rief nach der ersten Wahlrunde dazu auf, nicht zu verzagen. "Lasst nicht zu, dass die Angst eure Herzen einfriert", sagte sie. Die 51-jährige frühere Arbeits- und Sozialministerin gehört der Kommunistischen Partei des südamerikanischen Landes an. Sie gilt aber als gemäßigt links und tritt als Kandidatin eines Mitte-Links-Bündnisses an.
Im ersten Wahlgang schnitt Jara schlechter ab als von Meinungsforschern vorhergesagt, Kast dagegen besser. Rodrigo Arellano von der chilenischen Universidad del Desarrollo bezeichnete den Ausgang der ersten Wahlrunde daher als "sehr schlechte Nachrichten" für Jara. Es sei "unwahrscheinlich", dass sie die Stichwahl gewinnen könne.
Um die Nachfolge des scheidenden linksgerichteten Präsidenten Gabriel Boric hatten sich insgesamt acht Kandidaten beworben. Das chilenische Wahlrecht sieht eine Stichwahl vor, wenn im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht. Am Sonntag landete der populistische Kandidat Franco Parisi überraschend auf dem dritten Platz, vor dem Rechtsradikalen Johannes Kaiser und der konservativen Kandidatin Evelyn Matthei.
Wichtigste Themen im Wahlkampf waren der Kampf gegen kriminelle Banden sowie die Einwanderung. In der Amtszeit von Präsident Boric ist die Mordrate zwar um zehn Prozent gesunken, doch die zunehmende Gewalt krimineller Banden bereitet vielen Chilenen Sorgen. Zudem verzeichnete das Land einen Anstieg der Migrationszahlen. Eine Mehrheit der Chilenen bringt den Anstieg der Kriminalität mit der illegalen Einwanderung in Verbindung.
Kast hat angekündigt, die rund 337.000 Menschen ohne Papiere - überwiegend Venezolaner - aus dem Land zu werfen. Im Wahlkampf kündigte der Politiker Massenabschiebungen, den Bau einer Grenzmauer, die Aufrüstung der Polizei und den Einsatz der Armee in kritischen Gebieten an. "Wir brauchen Einheit, um die Probleme (...) im Zusammenhang mit der Sicherheit anzugehen", sagte Kast bei der Stimmabgabe in der Hauptstadt Santiago de Chile.
Linkskandidatin Jara versicherte nach ihrer Stimmabgabe in Santiago, dass sie "keinerlei Komplexe in puncto Sicherheit" habe. "Angst zu schüren reicht nicht aus, um ein Land zu regieren", sagte sie.
Parallel zur ersten Runde der Präsidentschaftswahl wurden auch die Mitglieder der Abgeordnetenkammer in dem südamerikanischen Land neu gewählt. Zudem wurde die Hälfte der Sitze im Senat neu vergeben. Erstmals seit 2012 galt wieder eine Wahlpflicht in Chile.
H.Weber--VB