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UNO erklärt offiziell Hungersnot im Gebiet der Stadt Gaza - Israel weist Vorwürfe zurück
Nach wochenlangen Warnungen angesichts der großen Not der Bevölkerung im Gazastreifen hat die UNO für das Gebiet der Stadt Gaza nun offiziell eine Hungersnot erklärt. Es gebe "belastbare Beweise" dafür, dass für die Region die schlimmste Stufe der IPC-Skala zum Hungermonitoring erreicht sei, erklärte die dafür zuständige UN-Initiative am Freitag. Der betroffene Bereich des Regierungsbezirks um die Stadt Gaza entspricht rund 20 Prozent des Palästinensergebiets. 500.000 Menschen im Gazastreifen seien betroffen.
UN-Nothilfechef Tom Fletcher beschuldigte Israel, für die katastrophale Lage verantwortlich zu sein. "Diese Hungersnot hätten wir vermeiden können, wenn man es uns erlaubt hätte", sagte er vor Journalisten in Genf. Aber die bereitstehenden Hilfsgüter "stapeln sich wegen der systematischen israelischen Blockade an den Grenzen", fügte er hinzu.
UN-Menschenrechtschef Volker Türk erklärte, ein Hungertod betroffener Menschen im Gazastreifen könnte einem Kriegsverbrechen gleichkommen. "Aushungerung als Mittel der Kriegsführung zu nutzen ist ein Kriegsverbrechen", warnte er.
UN-Generalsekretär António Guterres forderte "eine sofortige Waffenruhe, die Freilassung aller Geiseln und einen uneingeschränkten humanitären Zugang". Die Situation dürfe nicht ungestraft so bleiben, fügte er hinzu.
Israel wies die Vorwürfe zurück. "Es gibt keine Hungersnot in Gaza", erklärte das Außenministerium. Die IPC-Skala stütze sich auf "Hamas-Lügen", die von "Organisationen mit eigenen Interessen" gefiltert würden. "In den vergangenen Wochen hat ein massiver Zustrom von Hilfsgütern den Streifen mit Grundnahrungsmitteln überschwemmt und einen starken Rückgang der Lebensmittelpreise verursacht", hieß es weiter.
Auch die für die zivilen Angelegenheiten in den Palästinensergebieten zuständige Abteilung des israelischen Verteidigungsministeriums (Cogat) wies die Vorwürfe zurück. Frühere Berichte und Einschätzungen der IPC-Experten seien erwiesenermaßen wiederholt fehlerhaft gewesen. Die jüngsten Bemühungen zur "Stabilisierung der humanitären Situation im Gazastreifen" würden nicht berücksichtigt.
Die IPC-Experten beurteilten für die Einschätzung die Situation im Gazastreifen bis zum 15. August. Sie gehen jedoch davon aus, dass sich die humanitäre Lage weiter verschlechtert und auch Deir el-Balah und Chan Junis Ende bis September offiziell als Gebiete mit Hungersnot eingestuft werden. Dann seien voraussichtlich 641.000 Menschen betroffen.
Eine Hungersnot gilt, wenn die schlimmste der fünf Stufen der IPC-Skala erreicht ist. Dies ist der Fall, wenn von 10.000 Menschen täglich mindestens zwei aufgrund von Hunger oder durch Unterernährung verursachte Krankheiten sterben, wenn mindestens 30 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren akut unterernährt sind und ein Fünftel aller Haushalte an extremen Lebensmittelmangel leiden.
B.Wyler--VB