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Tausende Flüchtlinge aus Berg-Karabach kommen in Armenien an
Tausende Flüchtlinge aus der umstrittenen Region Berg-Karabach sind nach der Niederlage der pro-armenischen Kräfte gegen Aserbaidschan in Armenien angekommen. Insgesamt etwa 2900 Flüchtlinge seien bisher in Armenien eingetroffen, gab die Regierung in Eriwan am Montag bekannt. AFP-Journalisten sahen Flüchtlingsgruppen in einem humanitären Hilfszentrum in einem Theatergebäude in der armenischen Stadt Goris, um sich dort für den Weitertransport und für Unterkünfte registrieren zu lassen.
"Wir haben schreckliche Tage durchlebt", sagte die 41-jährige Anabel Gulasjan aus dem Ort Rew, der in Aserbaidschan Schalwa genannt wird. Sie kam mit ihrer Familie in einem Kleinbus nach Goris, ihre Habseligkeiten in Taschen gepackt. Die 54-jährige Valentina Asrjan aus dem Dorf Wank konnte es nicht glauben, dass die Aserbaidschaner - die "Türken", wie sie sagt - bis in ihr historisches armenisches Dorf vorgedrungen seien. "Ich weiß nicht, wohin", sagte die Frau, die nun vorläufig in einem Hotel in Goris untergekommen ist.
Vor dem Hintergrund der erfolgreichen Militäroffensive Aserbaidschans in der selbsternannten Republik Berg-Karabach kam der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan an, um sich dort mit seinem aserbaidschanischen Kollegen Ilham Alijew zu treffen. Nach Angaben des türkischen Präsidialamts werden die "neuesten Entwicklungen" in der Kaukasus-Region im Mittelpunkt des Treffens stehen. Die Türkei ist schon lange ein Unterstützer von Aserbaidschan.
Russland wiederum galt lange als Schutzmacht Armeniens, doch ließen die um Berg-Karabach stationierten russischen Einheiten die Aserbaidschaner zuletzt gewähren. Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan machte Moskau deshalb bittere Vorwürfe. Dies wies der Kreml am Montag zurück: "Wir weisen Versuche kategorisch zurück, eine Verantwortung der russischen Seite und den russischen Friedenstruppen (in Berg-Karabach) zuzuweisen", erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Armenien bleibt unser Verbündeter", betonte er. Die Gespräche mit Eriwan würden auch "in diesen schwierigen Tagen" fortgesetzt. Russland werde auch darauf achten, dass die Rechte der Einwohner von Berg-Karabach respektiert würden.
Der armenische Regierungschef war zuvor auf Distanz zu Russland gegangen. Die bisherigen Allianzen Armeniens seien "ineffektiv" und "unzureichend", sagte Paschinjan. Er bezog sich dabei auf die von Russland dominierte Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, in der auch Armenien Mitglied ist. Armenien hatte in dem Konflikt mit Aserbaidschan um Berg-Karabach auf die Unterstützung des Militärbündnisses gehofft.
Am Dienstag hatte Aserbaidschan eine großangelegte Militäroffensive in Berg-Karabach gestartet. Bereits einen Tag später wurde eine Waffenstillstandsvereinbarung geschlossen. Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan, in dem Gebiet leben aber überwiegend Armenier. Aserbaidschan und Armenien streiten seit dem Zerfall der Sowjetunion um die Enklave und hatten sich deshalb bereits zwei Kriege geliefert, zuletzt im Jahr 2020.
Armenien wirft Aserbaidschan nun vor, eine ethnische Säuberung in Berg-Karabach zu planen. International ist die Sorge um das Schicksal der rund 120.000 armenischen Bewohner Berg-Karabachs groß.
T.Suter--VB