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Russland droht nach Drohnenangriff auf Moskau mit Vergeltung
Einen Tag nach einem weiteren russischen Angriff auf die Hafenstadt Odessa haben ukrainische Drohnen in Moskau und auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim Schäden verursacht. Der ukrainische Geheimdienst habe "eine Spezialoperation" in Moskau verübt, hieß es am Montag in ukrainischen Verteidigungskreisen. Das Wort wird üblicherweise von der russischen Führung für den Angriffskrieg gegen die Ukraine verwendet.
AFP-Journalisten sahen in Moskau ein Gebäude mit einem beschädigten Dach in der Nähe des Verteidigungsministeriums. In einem Einkaufszentrum im Süden der Stadt wurden mehrere Scheiben in den oberen Etagen beschädigt. "Es ist ein Skandal, dass eine ukrainische Drohne fast in das Verteidigungsministerium geflogen ist", sagte ein 70 Jahre alter Anwohner. Das ganze Haus habe gebebt, berichtete er.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hatte die russische Luftabwehr am frühen Montagmorgen einen Versuch Kiews gestoppt, "einen terroristischen Akt mit zwei Drohnen auf Objekte im Moskauer Stadtgebiet auszuführen". Das Außenministerium sprach von "dreisten Taten ukrainischer Neonazis" und drohte mit "harter Vergeltung".
Die 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte russische Hauptstadt war schon mehrfach Ziel von Drohnenangriffe. Im Mai hatte eine Drohne sogar den Kreml getroffen.
Ukrainische Drohnen griffen auch Ziele auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim an. Dabei wurden nach Angaben der von Russland eingesetzten Behörden ein Munitionslager und ein Wohnhaus getroffen. Im Umkreis von fünf Kilometern um das Munitionsdepot sei die Bevölkerung in Sicherheit gebracht worden, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow im Onlinedienst Telegram mit. Insgesamt seien 17 ukrainische Drohnen elektronisch unschädlich gemacht oder abgeschossen worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit.
Russland griff seinerseits mit Drohnen Hafen-Infrastruktur an der Donau nahe der ukrainischen Grenze zu Rumänien und Moldau an. Dabei wurden nach Angaben des Gouverneurs von Odessa, Oleg Kiper, sieben Menschen verletzt. Ein Getreidelager sei bei dem vier Stunden dauernden Angriff in der Nacht zu Montag zerstört worden, teilte das ukrainische Militär mit. Mehrere Silos seien beschädigt worden. Nach ukrainischen Angaben wurden drei russische Drohnen abgeschossen.
Der rumänische Präsident Klaus Iohannis verurteilte die Angriffe nahe der Grenze. "Die jüngste Eskalation bedroht auch den Transport ukrainischen Getreides und damit die weltweite Ernährungssicherheit", betonte Iohannis am Montag.
Seit dem Auslaufen des Abkommens zum Export ukrainischen Getreides aus Schwarzmeer-Häfen vergangene Woche hatte Russland wiederholt die Hafenstädte Odessa und Mykolajiw angegriffen. Bei einem Angriff auf Odessa in der Nacht zum Sonntag waren zwei Menschen getötet worden. Auch die Verklärungskathedrale in Odessa wurde dabei stark beschädigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland daraufhin mit "Vergeltung" gedroht.
Der russische Präsident Wladimir Putin versprach unterdessen afrikanischen Staaten, sie nach dem Auslaufen des Getreideabkommens mit der Ukraine mit russischem Getreide und Düngemitteln zu beliefern. Russland rechne mit einer "Rekordernte", versicherte er auf der Website des Kreml mit Blick auf den bevorstehenden Russland-Afrika-Gipfel in St. Petersburg.
W.Lapointe--BTB