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Minsk: Wagner-Kämpfer arbeiten nun als "Ausbilder" für belarussische Armee
Rund drei Wochen nach dem kurzzeitigen Wagner-Aufstand in Russland haben Kämpfer der Söldnergruppe nach Angaben aus Minsk damit begonnen, als militärische "Ausbilder" für die belarussischen Streitkräfte zu arbeiten. "In der Nähe von Assipowitchi werden Einheiten der territorialen Verteidigungstruppen ausgebildet", teilte das belarussische Verteidigungsministerium am Freitag mit.
Die Wagner-Söldner hatten während ihres Aufstands am 24. Juni das Hauptquartier der russischen Armee in der Stadt Rostow am Don im Südwesten Russlands besetzt und waren in Richtung Moskau vorgerückt. Die Rebellion endete jedoch bereits am Abend desselben Tages mit einer Vereinbarung unter Vermittlung des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko. Sie sah vor, dass Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin ins Exil nach Belarus gehen sollte.
Die Aufständischen wurden vor die Wahl gestellt, ebenfalls nach Belarus zu gehen, sich der regulären russischen Armee anzuschließen oder nach Hause zurückzukehren. Anfang Juli hatte Lukaschenko jedoch gesagt, dass bisher keine Wagner-Söldner in Belarus eingetroffen seien.
Das Verteidigungsministerium in Minsk hat nun aber offenbar bestätigt, dass zumindest einige Wagner-Kämpfer nach Belarus gegangen sind. "Kämpfer des privaten Militärunternehmens Wagner fungieren als Ausbilder bei einer Reihe militärischer Disziplinen", erklärte das Ministerium. Zusammen mit der Wagner-Gruppe sei ein "Fahrplan für Ausbildung und Erfahrungsaustausch" ausgearbeitet worden, ergänzte das Ministerium später.
Das Ministerium veröffentlichte auch ein Video von Übungen im Onlinedienst Youtube, das maskierte Kämpfer bei der Ausbildung von Soldaten und ein Zeltlager zeigt. "Es gibt keinen Zweifel, dass es eine sehr nützliche Erfahrung für unsere Armee ist", sagt ein Soldat in dem Video. "Wir haben seit dem Ende des Krieges in Afghanistan nicht mehr an Kämpfen teilgenommen", ergänzte er mit Blick auf die sowjetische Invasion in Afghanistan (1979-89).
In der Nähe von Assipowitchi war einer Gruppe ausländischer Journalisten Anfang des Monats ein Lager gezeigt worden, in dem nach Angaben belarussischer Regierungsvertreter die Söldner stationiert werden könnten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Freitag in seiner abendlichen Videoansprache, Kiew beobachte "genau, was dort im Hinblick auf die Sicherheit geschieht". Die Wagner-Gruppe hatte eine wichtige Rolle bei der russischen Offensive in der Ukraine eingenommen. Ihre Kämpfer waren an vorderster Front in der blutigen Schlacht um die ukrainische Stadt Bachmut in Einsatz, deren Einnahme Moskau im Mai meldete.
Das Schicksal von Wagner-Chef Prischoschin ist weiterhin ungewiss. Mehrere Kanäle im Onlinedienst Telegram veröffentlichten am Freitag das Foto eines ihm ähnelnden Mannes. Dieser sitzt auf einem Feldbett in einem Zelt vor einem Wagner-Symbol.
Die ukrainischen Streitkräfte vermeldeten unterdessen weitere Geländegewinne bei ihrer Gegenoffensive. Die ukrainischen Truppen seien an der Südfront im Verlauf dieser Woche 1,7 Kilometer weit in Richtung Süden und Südosten vorgestoßen, teilte der Offizier Mykola Urschalowitsch von der Nationalgarde mit.
Die ukrainische Regierung räumte allerdings Verzögerungen bei der Gegenoffensive ein. Es gehe "nicht so schnell voran", sagte der Stabschef des Präsidialamtes, Andrij Jermak. "Wenn wir sehen, dass etwas nicht nach Plan läuft, werden wir es mitteilen." Niemand werde etwas "beschönigen".
Selenskyj sagte in seiner Videoansprache, die russischen Soldaten in den südlichen und östlichen Gebieten setzten alles daran, die ukrainischen Soldaten aufzuhalten. Daher sollten die Menschen für jeden Kilometer dankbar sein, den die ukrainischen Truppen vorwärts kämen.
K.Thomson--BTB