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Quälende Ungewissheit: Identifizierung der Opfer nach Brand in Crans-Montana dauert an
Nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana dauert die Identifizierung der etwa 40 Todesopfer und die Suche nach der Brandursache weiter an. Verzweifelte Menschen wandten sich am Freitag auf der Suche nach vermissten Angehörigen oder Freunden an das in Crans-Montana eingerichtete Krisenzentrum oder veröffentlichten Suchanfragen in Online-Netzwerken. Nach Behördenangaben befanden sich mindestens 80 der rund 115 Verletzten in einem lebensgefährlichen Zustand, Hinweise auf mögliche deutsche Opfer gab es weiterhin nicht.
Die Identifizierung der Leichen, von denen viele stark verbrannt waren, gestaltet sich schwierig und könnte Tage oder sogar Wochen dauern. In der Leichenhalle von Sitten, des Hauptortes des Wallis, trafen am Freitag erste Leichenwagen mit Opfern aus Crans-Montana ein, wie AFP-Reporter berichteten.
Weil Crans-Montana ein international beliebter Urlaubsort ist, rechneten die Behörden mit vielen Nicht-Schweizern unter den Opfern. Informationen über mögliche deutsche Todesopfer oder Verletzte lagen am Freitag weiter nicht vor. Die deutsche Botschaft in Bern stehe mit den Schweizer Behörden "in engem Kontakt", erklärte das Auswärtige Amt in Berlin auf Anfrage.
Die italienischen Behörden meldeten, dass etwa 15 ihrer Staatsbürger verletzt seien und etwa ebenso viele vermisst würden. Das französische Außenministerium sprach am Donnerstagabend von mindestens neun verletzten und acht vermissten Franzosen.
Während der Silvester-Party in der Nacht zum Donnerstag war in der Bar "Le Constellation" gegen 01.30 Uhr ein Brand ausgebrochen. Wie Augenzeugen in mehreren Medien berichteten, hatten zuvor Kellnerinnen als Teil einer in der Bar üblichen "Show" Sektflaschen mit Feuerwerksfontänen hochgehalten. Das Feuer breitete sich im Untergeschoss des Lokals rasend schnell aus, den Behörden zufolge folgten eine oder mehrere Explosionen.
Nach Angaben der Behörden des Kantons Wallis handelte es sich um einen sogenannten Flashover-Effekt. Dies ist ein heftiger Flammenüberschlag, der entsteht, wenn sich in einem geschlossenen Raum durch die hitzebedingte Spaltung organischer Verbindungen sogenannte Pyrolysegase ansammeln. Ab einer Temperatur von etwa 600 Grad entzünden sich die Pyrolysegase im gesamten Raum schlagartig, so dass die Temperatur auf über 1000 Grad steigt.
In einem online verbreiteten Video war zu sehen, dass Menschen trotz der Flammen zunächst weiter tanzten und den Ernst der Lage nicht erkannten, bis schließlich Panik ausbrach. Augenzeugen berichteten von Gästen, die versuchten, die Scheiben einzuschlagen, um der Gluthitze zu entkommen.
Schreiende und brennende Menschen flüchteten demnach aus dem Lokal. Ein Mann namens Mathys aus der Nachbargemeinde Chermignon-d'en-Bas war in der Nacht zum Brandort geeilt. "Es gibt nur ein Wort, mit dem ich das beschreiben kann: die Apokalypse", sagte er AFP.
Zwei Französinnen, die an der Silvester-Party teilgenommen hatten, sagten dem Nachrichtensender BFMTV, zum Unglückszeitpunkt seien rund 200 Gäste in der Bar gewesen, die meisten zwischen 15 und 20 Jahre alt. Offizielle Angaben zur Zahl der Gäste gab es nicht. Laut einem örtlichen Unternehmensregister und Freunden der Eigentümer gehört die Bar einem französischen Paar.
Die Krankenhäuser im Kanton Wallis waren wegen der vielen Verletzten überlastet. Einige Verletzte wurden in Krankenhäuser in anderen Regionen gebracht, darunter die auf Brandverletzungen spezialisierten Uni-Kliniken in Zürich und Lausanne. Auch Krankenhäuser in Deutschland, Italien und Frankreich nahmen Verletzte auf, auch Polen und die EU boten medizinische Unterstützung an.
Der Präsident der Kantonsregierung des Wallis, Mathias Reynard, sagte der Regionalzeitung "Walliser Bote", mindestens 80 der etwa 115 Verletzten befänden sich in einem lebensgefährlichen Zustand.
Angehörige suchten außer in einem in Crans-Montana eingerichteten Krisenzentrum auch in Online-Netzwerken Hilfe. Die 17-jährigen Jugendlichen Eléonore und Elisa aus dem Wallis etwa sagten AFP, auf der Suche nach ihren Freunden, die im "Le Constellation" gefeiert hätten, hätten sie Suchanfragen "auf Instagram, Facebook, allen möglichen sozialen Netzwerken gepostet". Dies habe allerdings nichts ergeben und selbst die Eltern ihrer Freunde wüssten nicht, was mit ihren Kindern geschehen sei.
In der Nähe des Unglücksorts legten Menschen Blumen nieder. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin nannte den Brand "eine der schlimmsten Tragödien, die unser Land erlebt hat". Die Flaggen im Land sollten fünf Tage lang auf Halbmast gesetzt werden.
Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hatten am Donnerstag ihre Bestürzung über das Unglück zum Ausdruck gebracht. Papst Leo XIV. ließ am Freitag erklären, er bete um "Mut für diejenigen, die in ihrem Herzen und ihrem Körper leiden".
K.Hofmann--VB