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Landesweite Trauer in Österreich nach Amoklauf an Grazer Schule
Mit einer Schweigeminute hat Österreich am Mittwoch der Todesopfer des Amoklaufs an einer Grazer Schule gedacht. Bewohner der zweitgrößten Stadt des Landes umarmten sich, weinten und legten Blumen und Kerzen oder Briefe an die Opfer in Kirchen und vor der Oberschule ab, wo ein 21-jähriger ehemaliger Schüler am Vortag neun Schüler und eine Lehrerin erschossen hatte. Über das Motiv des Täters herrschte weiter Unklarheit.
Im ganzen Land hielten Menschen um 10.00 Uhr morgens für eine Schweigeminute inne. Kirchenglocken läuteten, Menschen blieben auf den Straßen stehen, Fernsehen und Radio unterbrachen ihr Programm, Busse und Straßenbahnen blieben stehen. Hunderte Menschen folgten einem Aufruf des Roten Kreuzes zu Blutspenden für die bei dem Amoklauf Verletzten.
Der Täter war am Dienstagmorgen in die Schule eingedrungen, wo zu der Zeit gerade die mündlichen Prüfungen zur Matura, dem österreichischen Abitur, liefen. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA am Mittwoch unter Berufung auf die Polizei berichtete, ging gegen 10.00 Uhr ein Notruf wegen Schüssen und Schreien in der Schule ein, nur sechs Minuten später waren erste Streifenbeamte vor Ort. Bereits 13 Minuten nach dem Notruf wurde der Täter tot in der Schultoilette gefunden, wo er Suizid begangen hatte.
Bei den Todesopfern handelt es sich laut APA um neun Schüler im Alter zwischen 14 und 17 Jahren und eine Lehrerin. Elf weitere Menschen wurden bei dem Angriff verletzt. Neun Opfer waren nach Krankenhausangaben am Mittwoch weiter auf der Intensivstation, ihr Zustand sei "stabil".
In der Wohnung des Täters nahe Graz fanden die Ermittler einen Abschiedsbrief und eine "nicht funktionsfähige Rohrbombe", wie die steirische Polizei mitteilte. Der an die Mutter des Schützen adressierte Abschiedsbrief enthalte keinerlei Hinweis auf das Tatmotiv, sagte ein Vertreter des Innenministeriums dem Sender ORF. Laut APA fanden die Ermittler in der Wohnung auch einen offenbar verworfenen Plan für einen Sprengstoffanschlag.
Medien hatten spekuliert, dass der Täter in seiner Schulzeit gemobbt worden sei. Laut Polizei hatte er die Grazer Schule früher selbst besucht, aber keinen Abschluss gemacht.
Ein Religionslehrer an der Schule schilderte AFP den Tattag: Er habe sich gerade in einem Klassenraum befunden, als er einen lauten Knall und das Klirren von Patronenhülsen auf dem Boden des Flurs draußen gehört habe. Daraufhin sei er aufgesprungen und losgelaufen. Als er aus der Klasse zum Treppenhaus gelaufen sei, habe er den Schützen gesehen. Dieser habe "gerade versucht, mit seinem Gewehr die Tür aufzuschießen" und habe ihn daher nicht bemerkt.
Die Tat löste über Österreich hinaus Erschütterung aus. Die Regierung in Wien ordnete eine dreitägige Staatstrauer an, die Flaggen an öffentlichen Gebäuden im Land wurden auf halbmast gesetzt. Für Sonntagabend ist laut APA auf dem Hauptplatz in Graz eine zentrale Trauerfeier geplant, zu der auch Vertreter aus der Politik erwartet werden. Am Dienstag findet zudem ein interreligiöser Gottesdienst im Grazer Dom statt.
Der Täter nutzte laut Polizei bei seinem Amoklauf eine Pistole und ein Gewehr, die er legal besaß. Dies löste eine Debatte über das Waffenrecht in dem Alpenland aus, in dem auf insgesamt 9,2 Millionen Einwohner 1,5 Millionen angemeldete Schusswaffen kommen. Der Nationale Sicherheitsrat will sich laut APA am Donnerstag mit dem Fall befassen.
G.Schmid--VB