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Buckelwal schwimmt in offener Nordsee - Offenbar am Sonntag weiter Lebenszeichen
Der zuvor mehrfach in der Ostsee gestrandete Buckelwal schwimmt seit Samstagmorgen in der offenen Nordsee. In einer von Seiten der privaten Rettungsinitiative als voreilig kritisierten Aktion war er nach deren Angaben von der Schiffsbesatzung aus seinem Transportkahn herausbugsiert worden. Die Position des Wals war am Sonntag unklar, angeblich wurden aber über einen Sender weiter Lebenszeichen des Tiers empfangen.
Eine Initiatorin der Rettungsaktion, Karin-Walter-Mommert, sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP, der an dem Wal befestigte Peilsender funktioniere nur eingeschränkt. Daher lägen ihr keine aktuellen Standortdaten vor. Signale vom Samstagnachmittag deuteten jedoch darauf hin, dass das Tier zu dem Zeitpunkt in die richtige Richtung geschwommen sei.
Dies wäre Richtung Nordwesten, um die norwegische Atlantikküste zu erreichen. Vitalwerte des Tiers etwa zur Atmung nach Tauchgängen seien jedoch auch 24 Stunden nach dem Verlassen des Lastkahns weiter übermittelt worden.
Dieser mit Wasser gefüllte Kahn war mit dem Wal von der Ostsee bei Poel aus durch dänische Gewässer bis zum Skagerrak geschleppt worden. Dort gelangte das Tier dann am Samstagmorgen gegen 08.45 Uhr in einer von Walter-Mommert als voreilig und chaotisch beschriebenen Aktion ins Meer. Die Rede war auch von leichten Blessuren, die der Wal im oder beim Verlassen des Lastkahns erlitten habe.
"Wir hätten ihn gern ein ganzes Stück weiter raus begleitet", sagte Walter-Mommert zu AFP. Die Schlepperbesatzung habe aber offensichtlich den Einsatz beenden wollen. Die von Expertinnen und Experten teils scharf kritisierte Rettungsaktion für das Tier war von Karin Walter-Mommert und Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz maßgeblich initiiert und finanziert worden. Walter-Mommert kündigte an, sich weiter für den Tierschutz und konkret die Walrettung engagieren zu wollen, konkret auch im Fall möglicher neuer Strandungen von Meeressäugern. "Ich würde es immer wieder machen", sagte sie AFP.
Am Freitag war die Transportfahrt kurz vor Erreichen der Nordsee wegen hohen Wellengangs zeitweise unterbrochen worden. Auf Fotos und Videos unter anderem des Streamingdienstes News5 war dann am Samstagmorgen der leere Kahn zu sehen, ebenso ein im offenen Meer schwimmender Wal, der einen sogenannten Blas machte, das charakteristische Ausatmen von Walen nach einem Tauchgang. Dabei handelte es sich offensichtlich um den Buckelwal aus der Ostsee, sicher konnte dies jedoch nicht verifiziert werden.
"Der vor Mecklenburg-Vorpommern gestrandete Buckelwal ist am Wochenende in der Nordsee in die Freiheit entlassen worden. Damit ist der Transport aus der Ostsee abgeschlossen", erklärte am Samstag das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns, das zunächst die Rettungsaktionen für den Wal koordiniert und dann die Arbeiten der privaten Initiative trotz der Bedenken geduldet hatte.
"Ich habe von Beginn an gesagt, dass wir den Wal begleiten werden – und genau das haben wir nach bestem Wissen und Gewissen getan", erklärte Ressortchef Till Backhaus (SPD). Er mahnte an, die Daten des Peilsenders den Behörden zur Verfügung zu stellen.
Der Meeresbiologe Fabian Ritter äußerte sich weiterhin zurückhaltend. "Eine Rettung ist erst dann gegeben, wenn er über Tage oder Wochen ein normales Verhalten zeigt", sagte er dem NDR über den Buckelwal. Thilo Thilo Maack von Greenpeace sagte dem Sender: "Wir schätzen seine Überlebenschancen als minimal ein."
Der im Atlantik heimische Säuger irrte seit Anfang März vor der deutschen Ostseeküste umher und strandete mehrfach. Zuvor hatte er sich offensichtlich in Netzen verfangen, deren Reste er im Maul trug. Rund vier Wochen lang lag er in einem Seitenarm der Wismarer Bucht bei der Insel Poel auf Grund.
F.Stadler--VB