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Drama um notleidenden Wal in Ostsee: Tier schwimmt sich frei und kommt wieder fest
Das Drama um den vor der Ostseeküste festsitzenden Buckelwal dauert weiter an. Am Montag verließ das notleidende Tier nach drei Wochen weitestgehender Regungslosigkeit seine bisherige Position in einer seichten Bucht vor der Insel Poel, kam allerdings wenig später erneut auf einer Sandbank in flachem Wasser fest. Die weitere Entwicklung war offen, Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sprach gleichwohl von einem "Lichtblick" und einer "Chance" für das Tier.
Der Wal kam damit einer seit Tagen vorbereiteten Rettungsaktion durch eine Privatinitiative zuvor, die das hilfslose Tier mit einem System aus Luftkissen und Pontons anheben und bis in Nordsee oder Atlantik schleppen will. Es soll sich um eine Art allerletzten Hilfsversuch für den bereits mehrfach gestrandeten Wal handeln, der von Behörden und hinzugezogenen Experten praktisch schon aufgegeben worden war.
Backhaus zufolge beobachteten und berieten die von zwei Unternehmern finanzierte Initiative und die Behörden die neue Lage. Denkbar waren demnach etwa Versuche, den Wal zum Weiterschwimmen zu animieren. Es handle sich nicht um eine neue Strandung des Tiers, betonte der Minister vor Ort. Nach Angaben der Helfer, die den Wal von Booten aus beobachteten, liege dieser nicht vollständig auf. "Er ruht sich aus."
Nach Angaben des an der Rettungsinitiative beteiligten Walkenners und Umweltaktivisten Sergio Bambaren schwamm sich das Tier bei hohem Wasserstand selbst frei und wurde von den Helfern an einen "sicheren Ort" geleitet. In den "nächsten Tagen" solle versucht werden, es ins offene Meer zu bringen, schrieb der Peruaner am Montag im sozialen Netzwerk Instagram. Die Überlebenschance liege weiter "bei 50 zu 50".
Der Wal wurde erstmals am 3. März im Hafen von Wismar beobachtet und irrt seither vor der deutschen Ostseeküste umher. Er strandete dabei mehrfach vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, zuletzt kam er in einer Seitenbucht vor der Insel Poel bei Wismar fest. Es ist unklar, warum das ungefähr vier bis fünf Jahre alte Tier in die für ihn als Lebensraum ungeeignete Ostsee geriet und was ihm fehlt.
Das Landesumweltministerium und Fachleute kamen schon vor rund drei Wochen zu dem Schluss, dass der Meeressäuger in schlechtem Zustand, mutmaßlich schwer krank und womöglich sogar sterbend sei. Ende März wurden sämtliche Bemühungen zur aktiven Rettung mangels realistischer Erfolgsaussichten und aus tierschutzrechtlichen Bedenken beendet. Es galt als wahrscheinlich, dass der Wal in der Bucht verenden würde.
Gleichwohl entschied das Landesumweltministerium in der vergangenen Woche, einen neuerlichen Rettungsversuch durch die unter anderem von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz getragene private Initiative zu dulden. Die Verantwortung dafür liegt allein bei der Initiative, die Behörden überwachen die Aktion jedoch mit eigenen Fachleuten und stehen mit den Verantwortlichen im ständigem Austausch. Die Initiative erhalte "vollständige Hilfestellung", sagte Ressortchef Backhaus am Montag.
Demnach waren unter anderem sechs Boote der Rettungsorganisation DLRG in die Walbegleitung eingebunden, die Wasserschutzpolizei befand sich ebenfalls vor Ort. Die Behörden im benachbarten Schleswig-Holstein wurden informiert, weil der Wal auch in ihren Bereich schwimmen könnte.
Für den Montag war eigentlich der Start der Hebeaktion der Initiative erwartet worden, die Vorbereitungen dafür laufen seit Tagen. In der Bucht wurde ein Arbeitsponton platziert, Helfer saugten Meeresgrund rund um das Tier ab. Ein Schlepper für den Geleitzug in Richtung Atlantik, wo Buckelwale heimisch sind, hält sich ebenfalls bereit.
Nach Angaben des Ministers schwamm das Tier dann aber am Montag gegen 07.00 Uhr los, wohl begünstigt durch höhere Wasserstände infolge starken Winds. Es schwamm zeitweise noch tiefer in die schmale Bucht hinein, wurde von Begleitbooten aber wieder in die andere Richtung gelotst.
Auf Livebildern war zu sehen, wie Schlauchboote und Jetskis den Wal begleiteten. Dieser kam nach einiger Zeit wieder auf einer Sandbank noch innerhalb der Seitenbucht fest, befindet sich nun allerdings näher am Ausgang in tiefere Bereiche. Das Tier habe eine "ziemliche Kraftanstrengung" hinter sich und bekomme nun Ruhe, sagte Backhaus.
Es handle sich um einen Erfolg. Bei der gesamten Rettungsaktion gehe es darum, dem Tier noch eine Chance zu eröffnen, die es für sich nutzen könne. "Das hat er jetzt gemacht", sagte der Minister vor Medienvertretern. "Jetzt hoffen wir mal, dass wir weiterkommen."
C.Bruderer--VB