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Gaspreise für Neukunden gestiegen - Regierung prüft Einrichtung von Notfall-Reserve
Die Folgen des Iran-Krieges erreichen nun auch Gaskunden in Deutschland: Neu abgeschlossene Verträge hätten sich "innerhalb weniger Tage um 1,7 Cent pro Kilowattstunde verteuert", erklärte das Vergleichsportal Verivox am Dienstag in Heidelberg. Dies ist demnach ein Anstieg um mehr als ein Fünftel. Unterdessen äußerten die Gasspeicherbetreiber Sorgen um die Befüllung der Gasspeicher für den nächsten Winter. Die Bundesregierung erwägt eine strategische Reserve für den Notfall.
Grund für den deutlichen Preissprung sind die stark gestiegenen Großhandelspreise für Erdgas infolge des Iran-Krieges. Laut Verivox lagen sie in Europa zuletzt rund 68 Prozent über dem Vorkriegsniveau.
"Bestandskunden müssen vorerst keine Gas-Preiserhöhungen befürchten", erklärte der Energieexperte des Vergleichsportals, Thorsten Storck. "Die Sorge vor einer länger anhaltenden Schließung der Straße von Hormus und die aktuell hohen Großhandelspreise sorgen jedoch dafür, dass die Neukundenpreise nun deutlich anziehen."
Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher ihren aktuellen Vertrag prüfen - "und wenn möglich das derzeit oft noch günstige Preisniveau für die kommende Heizsaison sichern", riet Storck. Aktuell lägen die Neukundenpreise "immer noch auf dem Niveau des Vorjahres", erklärte er. "Selbst wenn der Vertrag noch einige Zeit läuft, viele Anbieter erlauben den Wechsel bis zu 12 Monate im Voraus."
Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu knapp 22 Prozent gefüllt. "Das ist nicht viel, aber reicht, um in dem ausgehenden Winter die Versorgungslage sicherzustellen", sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Dienstag. Der Gasspeicher-Verband Ines erklärte, dies reiche selbst bei extrem kalten Temperaturen aus, "um die Gasversorgung bis zum Ende der Heizperiode sicherzustellen".
Allerdings erklärten die in dem Verband organisierten Speicherbetreiber, dass die über den Sommer stattfindende Befüllung für den kommenden Winter zu einer "außergewöhnlich großen Herausforderung" werde. Wegen der Preissteigerungen "fehlen dem Markt derzeit jegliche ökonomischen Anreize zur Einspeicherung von Gas in die Speicher", erklärten sie.
Derzeit fehlen am Weltmarkt für Flüssigerdgas (LNG) große Teile der Produktion aus den Golfstaaten. Insbesondere Katar ist einer der wichtigsten LNG-Produzenten weltweit und kann sein Gas derzeit wegen der Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran nicht verschiffen. "Der daraus resultierende Bieterwettbewerb zwischen Asien und Europa treibt die Preise nach oben", erklärte Ines.
Wirtschaftsministerin Reiche verwies darauf, dass es bereits Vorbuchungen für die Gasspeicher aus der Zeit vor Kriegsbeginn gebe, "die uns zunächst (...) ein gutes Fahrgefühl geben". Zudem erwäge die Bundesregierung, auch eine strategische Gasreserve für den Notfall einzurichten. "Wir diskutieren, eine vom Markt abgetrennte gesicherte Reserve anzulegen", sagte sie. Wie diese ausgestaltet sein könne, werde "zurzeit durch Gutachten ermittelt".
Reiches Beratergremium hatte in der vergangenen Woche in einem Kurzgutachten zu den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges allerdings von einer solchen strategischen Reserve abgeraten. Diese könne nur sinnvoll implementiert werden, "wenn dafür zusätzliche Speicherkapazitäten geschaffen werden", erklärten die Ökonomen um die Wirtschaftsweise Veronika Grimm.
Neue Speicher zu bauen sei jedoch höchst zeitaufwendig: "Die Errichtung zusätzlicher Speicher dauert typischerweise bei Kavernenspeichern fünf bis zehn Jahre, bei Porenspeichern vier bis acht Jahre", erklärten sie. Zudem verfüge Deutschland mit rund 24 Milliarden Kubikmetern Speicherkapazität bereits über "eine der größten Gasspeicher-Infrastrukturen Europas".
R.Fischer--VB