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IG Metall rückt wegen Konjunkturflaute von Forderung nach Vier-Tage-Woche ab
Angesichts der schwächelnden Wirtschaftslage in Deutschland will sich die Industriegewerkschaft Metall vorerst nicht mehr für die Einführung einer Vier-Tage-Woche einsetzen. "Eine Vier-Tage-Woche mit vollem Lohnausgleich steht aktuell nicht auf der gewerkschaftlichen Forderungsliste", sagte IG-Metall-Chefin Christiane Benner der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. Über die Arbeitszeit der Deutschen wird seit Wochen diskutiert; das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft forderte erneut mehr Anreize für Arbeitnehmer zur Mehrarbeit.
IG-Metall-Chefin Benner verwies zur Begründung auf die Konjunkturflaute: "Wir spüren gerade in vielen Betrieben die angespannte wirtschaftliche Situation", sagte sie der "Bild". Es seien die Arbeitgeber, die deshalb die Arbeitszeit verkürzen – "auf Kosten der Beschäftigten".
Benner forderte die neue Bundesregierung zu mehr Investitionen in den Wirtschaftsstandort Deutschland und zu Entlastungen der Beschäftigten auf. Es brauche "schnell Investitionen von der Politik, Entlastung der Bürger und Standorttreue von den Unternehmen. Wie wir das zügig hinkriegen, muss im Mittelpunkt der Debatte stehen."
Der Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Holger Schäfer, rief die Politik im Deutschlandfunk auf, "alle Hebel in Bewegung zu setzen", um das Arbeitskräftepotenzial im Land besser auszunutzen. Er nannte den Ausbau der Kinderbetreuung, die Senkung der Abgabenlast, die Streichung eines Feiertags und eine Anhebung des Renteneintrittsalters wie in Dänemark auf 70 Jahre.
Dass in Deutschland das Arbeitskräftepotenzial "unterdurchschnittlich" ausgenutzt werde, sei "keine Frage von Faulheit", betonte der IW-Experte. Es sei hierzulande einfach "nicht attraktiv genug, die Arbeitszeit auszuweiten", denn ein Großteil des Zusatzverdienstes gehe an den Staat oder die Sozialversicherung.
"Wir müssen überprüfen, welche Leistungen wir erbringen wollen", sagte Schäfer. Welche Leistungen gestrichen werden könnten - das zu definieren sei Aufgabe der Politik.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat wiederholt betont, dass die Menschen in Deutschland mehr arbeiten müssten. "Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance können wir den Wohlstand nicht erhalten", sagte er Mitte Mai.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann betonte am Wochenende: "Man hat manchmal den Eindruck, dass es nicht mehr um Work-Life-Balance geht, sondern um Life-Life-Balance." SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt erwiderte, statt Menschen Faulheit zu unterstellen und über Sozialkürzungen zu diskutieren, brauche es endlich mehr Beteiligung hoher Einkommen am Gemeinwohl, und zwar bei Steuern wie bei Sozialversicherungen.
L.Wyss--VB