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Aktivisten: Tausende Alawiten suchen Schutz auf russischer Militärbasis
Nach einer beispiellosen Welle der Gewalt und mutmaßlichen Massakern im Westen Syriens haben tausende Angehörige der alawitischen Minderheit Schutz auf einer russischen Militärbasis gesucht. "Tausende von alawitischen Zivilisten sind vor den Massakern in der Stadt Dschableh und den umliegenden Dörfern geflohen und haben in und um den Militärstützpunkt Hmeimim Zuflucht gesucht", sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.
Nach jüngsten Angaben der Beobachtungsstelle wurden seit Beginn der Gewalt am Donnerstag 1225 Zivilisten getötet, die meisten davon Alawiten. Demnach wurden 658 von ihnen in der Provinz Latakia, 384 in der Provinz Tartus, 171 in der Provinz Hama und zwölf in der Provinz Homs getötet.
Nach Angaben der Beobachtungsstelle kamen die vor der Gewalt Geflüchteten seit Freitag auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt an. Einige von ihnen lehnten es aus Angst vor weiterer Gewalt ab, nach Hause zurückzukehren. Den Aktivisten zufolge fehlt es den Menschen dort an Nahrung, Medikamenten und weiteren lebensnotwendigen Gütern. Andere Familien hätten sich in den Bergen versteckt.
Der Bürgermeister von Dschableh, Amdschad Sultan, sagte der AFP, er sei zu dem Stützpunkt gekommen, um die Menschen davon zu überzeugen, dass eine Rückkehr in ihre Häuser sicher sei. Die Sicherheitskräfte hätten begonnen, in der Stadt die Kontrolle zu übernehmen. Auch würden Verletzte transportiert, die Familien sollten "eine nach der anderen evakuiert" werden, fügte er hinzu.
Am Eingang des Geländes sah ein AFP-Journalist einen Konvoi des Syrischen Roten Halbmonds, der drei Verletzte transportierte. Einige der Vertriebenen protestierten jedoch vor dem Armee-Stützpunkt. Sie forderten internationalen Schutz und riefen "Russland, Russland".
Russland hatte sich am Dienstag besorgt über die Vorgänge in Syrien geäußert. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte vor Journalisten, Moskau "will Syrien vereint, erfolgreich und freundlich sehen". Russland stehe mit anderen Ländern über die Situation in Syrien in Kontakt, fügte Peskow hinzu.
Der langjährige syrische Machthaber Baschar al-Assad war nach seinem Sturz im Dezember durch die islamistische HTS-Miliz und verbündete Milizen nach Russland geflüchtet, das ihn jahrelang gestützt hatte. Russland hofft indes, weiter die Kontrolle über Hmeimim und seinen Marinestützpunkt in Tartus zu behalten. Die HTS ist aus der Al-Nusra-Front hervorgegangen, dem syrischen Ableger des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida.
U.Maertens--VB