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EZB legt sommerliche Zinspause ein - Entscheidung im September "völlig offen"
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat vor der Sommerpause auch eine Zinspause eingelegt. Nach einer ersten Senkung im Juni ließ der EZB-Rat die Leitzinsen in seiner Sitzung am Donnerstag in Frankfurt unverändert. Wie es nach der Pause im September weitergeht, sei "völlig offen", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei der Pressekonferenz nach dem Beschluss.
Die Entscheidung des Rates, das Zinsniveau beizubehalten, fiel den Angaben nach einstimmig. Die Notenbanker hatten die Leitzinsen seit Juli 2022 wegen der ausufernden Inflation zehn Mal in Folge erhöht und sie von Oktober bis April auf hohem Niveau belassen. Inzwischen ist die Inflationsrate in der Eurozone wieder deutlich zurückgegangen.
Im Juni senkte die EZB daraufhin als erste große westliche Zentralbank das Zinsniveau wieder um 0,25 Prozentpunkte. Es war die erste Euro-Leitzinssenkung seit 2019. Der zentrale Satz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der EZB leihen können, liegt nun bei 4,25 Prozent. Der Zinssatz zur kurzfristigen Beschaffung von Geld, der Spitzenrefinanzierungssatz, beträgt 4,5 Prozent, der für Sparerinnen und Sparer relevante Einlagenzins 3,75 Prozent.
Trotz der abgeschwächten Teuerung blieb die Inflation auch in den vergangenen Monaten allerdings über dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent. Im Euroraum lag sie zuletzt bei 2,5 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak war mit 2,9 Prozent noch höher und Dienstleistungen verteuerten sich um 4,1 Prozent deutlich.
Die Zentralbanker gehen von einer erhöhten Inflation bis "weit ins nächste Jahr" aus. Sie untermauerten ihr Ziel, "für eine zeitnahe Rückkehr der Inflation zum mittelfristigen Ziel von zwei Prozent zu sorgen" und die Zinsen so lange restriktiv zu halten wie erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen. Lagarde betonte, dass die Entscheidung über weitere Zinsschritte im September "völlig offen" sei und die EZB sich nicht auf einen Zinspfad festlegen werde.
"Der Kampf der europäischen Währungshüter gegen zu hohe Inflationsraten ist noch nicht gewonnen", erklärte Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. "Daher ist die Entscheidung der EZB völlig richtig, die Leitzinsen unverändert zu lassen." Auch beim nächsten Mal brauche es "Augenmaß". Die Zinsen sollten nur weiter sinken, wenn sicher ist, "dass die Inflation im Euroraum verlässlich auf die Zwei-Prozent-Marke zusteuert".
Der ING-Analyst Carsten Brzeski sprach von einem "erwartet sanften Start in die (geldpolitische) europäische Sommersaison". Zugleich halte die EZB sich mit Angaben zu ihrem künftigen Kurs zurück. Sie habe lediglich bestätigt, dass sie künftig wieder von Treffen zu Treffen entscheiden werde.
Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), sah wenig Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung seit der vergangenen Zinsentscheidung im Juni. Vor diesem Hintergrund sei der Beschluss des Rates "richtig". Durch Basiseffekte beispielsweise im Energiebereich könne die Inflation im Laufe dieses Jahres nochmal leicht anziehen. "Dieser Effekt sollte die EZB aber nicht vom Zinssenkungspfad ablenken", erklärte Asmussen.
B.Wyler--VB