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Erste bemannte Starliner-Kapsel dockt trotz Problemen an ISS an
Die nach mehrfacher Verschiebung erstmals mit Astronauten ins All gestartete Starliner-Kapsel von Boeing ist an der Internationalen Raumstation ISS angedockt - allerdings traten erneut Probleme auf, diesmal mit dem Antriebssystem der Kapsel. Nach etwas Verzögerung gelang dann das Manöver dann aber doch, wie die US-Weltraumbehörde Nasa am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte. Die zwei US-Astronauten sind inzwischen an Bord der ISS.
"Es ist super, wieder hier zu sein", freute sich der Astronaut Butch Wilmore nach der Ankunft in der Raumstation. Seine mit ihm gereiste Kollegin Suni Williams feierte mit einem kleinen Freudentanz. Wilmore und Williams wurden in der ISS von den bisher sieben Crew-Mitgliedern empfangen, unter ihnen auch russische Kosmonauten. Sowohl für den 61-jährigen Wilmore als auch für die 58-jährige Williams ist es bereits ihr dritter Aufenthalt in der Raumstation.
Ihr Start in der Starliner-Kapsel vom Weltraumbahnhof in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida hatte in den vergangenen Wochen wegen technischer Probleme mehrfach verschoben werden müssen, bevor er dann am Mittwoch schließlich glückte. Während des Fluges traten dann allerdings erneut technische Probleme auf - mit Helium-Lecks und mit den Korrekturdüsen, die der Feinjustierung der Kapsel beim Andocken an die Raumstation dienen.
Die genauen Ursachen dieser Probleme blieben zunächst unklar. Es handele sich jedoch nur um "kleine" Probleme, die vor der nächsten bemannten Starliner-Mission behoben würden, versicherte der Boeing-Manager Mark Chappi.
Währen des Andockens waren fünf der 28 Korrekturdüsen ausgefallen. Vier davon konnten jedoch wieder in Gang gesetzt werden, so dass die Kapsel mit einer Verzögerung von einer Stunde und 20 Minuten um 19.34 Uhr MESZ an der ISS andocken konnte. Rund zwei Stunden danach öffnete sich die Luke der Raumstation für die zwei neuen Crew-Mitglieder.
Neben den Problemen mit den Korrekturdüsen werden die Ingenieure von Boeing und der Nasa als Konsequenz aus dem aktuellen Testflug auch die Ursachen von vier aufgetretenen Helium-Lecks untersuchen müssen. Diese Lecks und das Aussetzen der Düsen hätten jedoch nichts miteinander zu tun, sagte Nasa-Manager Steve Stich.
Eines der Lecks war bereits vor dem Flug bekannt gewesen - es wurde nach dem ersten abgebrochenen Startversuch entdeckt. Tests ergaben dann jedoch, dass die Menge des austretenden Heliums deutlich unter der Obergrenze lag. Die Missionsleiter entschieden daher, die Kapsel ohne Reparatur des Lecks fliegen zu lassen.
Zwei neue Helium-Lecks traten dann während des Flugs zur ISS auf, das vierte wurde nach dem dortigen Andocken entdeckt. Helium ist zwar kein brennbares Gas, wird aber für den Antrieb der Raumkapsel benötigt. Die Ingenieure gingen jedoch davon aus, dass es bei der aktuellen Mission noch mehr als genügend Helium-Reserven gibt.
Während ihres rund einwöchigen Aufenthalts in der Raumstation sollen Wilmore und Williams weitere Tests an der Kapsel vornehmen, bevor sie mit den Starliner zur Erde zurückreisen. Die Nasa plant, den Starliner neben der Dragon-Kapsel der Firma SpaceX des Multimilliardärs Elon Musk künftig regelmäßig für den Transport von Astronauten zur ISS zu nutzen.
Anfang Mai und Anfang Mai waren zwei Startversuche des Starliner kurzfristig abgeblasen worden. Beide Male saßen die Astronauten bereits angeschnallt auf ihren Plätzen.
Während die Dragon-Kapsel von SpaceX bereits seit mehreren Jahren Nasa-Astronauten zur ISS befördert, musste Boeings Starliner-Programm eine Reihe von Rückschlägen hinnehmen. Bei einem unbemannten Testflug 2019 erreichte die Kapsel wegen eines Software-Fehlers nicht die geplante Flugbahn und musste zur Erde zurückkehren, ohne zur ISS gelangt zu sein.
2021 musste ein Start wegen blockierter Ventile verschoben werden. Im Mai 2022 erreichte der Starliner schließlich in einem unbemannten Flug erstmals die ISS. Wegen verschiedener Probleme verzögerte sich der erste Flug mit Besatzung anschließend jedoch immer wieder - bis er nun glückte.
F.Stadler--VB