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Zahl gebauter Wohnungen 2023 besser als erwartet - Ziel aber deutlich verfehlt
Im vergangenen Jahr sind in Deutschland mehr Wohnungen gebaut worden als erwartet - dennoch rückt das politische Ziel beim Wohnungsbau in immer weitere Ferne. Fertiggestellt wurden rund 294.400 Wohnungen - 0,3 Prozent oder 900 weniger als 2022, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Angesichts rückläufiger Baugenehmigungen 2023 dürfte es mit den Fertigstellungen weiter nach unten gehen: "Die Durststrecke kommt erst noch", warnte die Branche.
Die Regierung hat sich das Ziel von jährlich 400.000 neuen Wohnungen gesetzt, darunter 100.000 Sozialwohnungen. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) sprach dennoch von einer "stabilen Lage" am Bau. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sei es gelungen, Projekte aus dem Bauüberhang - also bereits genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen - zu realisieren. Zusätzlich zu den fertiggestellten Wohnungen befänden sich derzeit 390.900 Wohnungen im Bau.
Angesichts der Krise der Bauwirtschaft war tatsächlich mit noch schlechteren Jahreszahlen gerechnet worden. Der Großteil der neuen Wohnungen (257.200) entstand nun in Neubauten. Davon waren 69.900 Einfamilienhäuser - ein klarer Rückgang um 9,3 Prozent. Die Zahl neuer Wohnungen in Zweifamilienhäusern stieg laut Statistik um 3,8 Prozent auf 23.800. In Mehrfamilienhäusern wurden 156.300 Neubauwohnungen geschaffen, 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Außerdem entstanden 7300 neue Wohnungen in Wohnheimen.
Jedoch gibt es nach Einschätzung der Bauwirtschaft trotz der "überraschend guten" Zahlen keinen Anlass zur Freude, da die Zahl der Baugenehmigungen weiter sinkt und vor allem Projekte aus der Vorkrisenzeit beendet wurden. Über das Jahr 2023 gesehen wurden nur 259.600 Genehmigungen erteilt - 26,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Dadurch ging der Bauüberhang im Vorjahresvergleich erstmals seit 2008 zurück, wie die Statistiker in Wiesbaden mitteilten.
Grund für den Rückgang ist auch eine hohe Zahl erloschener Baugenehmigungen: So liefen im vergangenen Jahr 22.700 Baugenehmigungen ungenutzt aus, nachdem 2022 mit 22.800 erloschenen Baugenehmigungen der höchste Wert seit 2006 verzeichnet worden war. Auch die durchschnittliche Dauer von Genehmigungserteilung bis Fertigstellung verlängerte sich auf 24 Monate. 2020 waren es noch 20 Monate.
"Das aktuelle Niveau der neu gestellten Baugenehmigungen deutet im Trend nur auf etwas mehr als 200,000 neu gebaute Wohnungen pro Jahr hin", analysierte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien. Vor allem der seit 2022 massiv gestiegene Leitzins der Europäischen Zentralbank habe "den Wohnungsbau ausbremst". In Kombination mit gestiegenen Baupreisen seien Eigenheime für viele Menschen daher unerschwinglich geworden.
"Die Talsohle beim Wohnungsbau dürfte frühestens 2025 erreicht sein", warnte Dullien. Das politische Ziel der Regierung hingegen dürfte "auch auf Jahre nicht ohne weitere Förderprogramme zu erreichen sein". Damit, dass weniger gebaut wurde als erforderlich, dürfe sich "weder die Politik noch wir als Branche" zufriedengeben, mahnte auch der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller.
Er nahm die Politik in die Pflicht: "Lange Planungs- und Genehmigungszeiten, sich ständig verändernde Vorgaben zur Bauqualität, ausufernde Bauvorschriften sowie unterschiedliche Landesbauordnungen" - dort müsse "endlich die Schere angesetzt" werden. Auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe warnte: Ohne den Start der neu angekündigten Förderprogramme im Neubau, ohne geringere energetische Anforderungen und Zinssätze in den KfW-Programmen werde es einen "immensen Einbruch am Wohnungsbaumarkt" geben.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verwies auf den Bedarf an weiteren Sozialwohnungen - wie am Mittwoch bekannt geworden war, ging deren Zahl 2023 insgesamt weiter zurück. Gebaut wurden im vergangenen Jahr nur 49.430 neue Sozialwohnungen. Das sei zu wenig, da "immer mehr geförderte Wohnungen aus der Preisbindung fallen", beklagte der DGB.
"Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam alles für den bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau tun", forderte auch der Wohnungswirtschaftsverband GdW. Nötig sei ein "groß angelegtes Zinsprogramm".
N.Schaad--VB