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Tarifstreit der EVG mit der Deutschen Bahn spitzt sich erneut zu - Streiks drohen
Der Tarifstreit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit der Deutschen Bahn spitzt sich erneut zu. Die EVG wies das jüngste Angebot der Bahn am Dienstagabend als "unzureichend" zurück. Der Konzern warf der Gewerkschaft daraufhin mangelnde Kompromissbereitschaft vor und erteilte weiteren Verhandlungen zunächst eine Absage. Nun drohen weitere Streiks. Sowohl die Bahn als auch die EVG kündigten für Mittwoch Pressestatements an.
"Wesentliche Punkte unserer Forderungen sind weiterhin nicht erfüllt", erklärte EVG-Ko-Verhandlungsführer Kristian Loroch. "Die DB AG ist dringend aufgefordert, ihr Angebot umgehend neu auszurichten." Er forderte die Bahn auf, am besten noch am Mittwoch "mit uns weiter zu verhandeln".
DB-Personalvorstand Martin Seiler schloss dies jedoch umgehend aus. "Das ist im Moment sinnlos, weil die EVG sich keinen Millimeter bewegt", erklärte er in der Nacht. Die pauschale Ablehnung des dritten, nochmal stark verbesserten DB-Angebots sei "nicht nachvollziehbar".
"Das, was derzeit auf dem Tisch liegt, ist sozial ungerecht", rechtfertigte Loroch die Entscheidung der Gewerkschaft. Die vorgesehene prozentuale Staffelung benachteilige "gerade die unteren Lohngruppen, für die wir diesmal deutlich mehr herausholen wollen".
Die Bahn hatte am Donnerstag Lohnerhöhungen von zwölf Prozent für untere Einkommen, zehn Prozent für mittlere Einkommen und acht Prozent für höhere Einkommen sowie einen steuerfreien Inflationsausgleich von insgesamt 2850 Euro angeboten. Die EVG hatte zwölf Prozent mehr für alle, aber vor allem mindestens 650 Euro mehr verlangt. Für untere Einkommen würde dies prozentual eine teils deutlich höhere Lohnsteigerung bedeuten.
In dem Schreiben, in dem die Gewerkschaft der Bahn die Ablehnung des Angebots mitteilte und das der Nachrichtenagentur AFP vorlag, verweisen Loroch und Ko-Verhandlungsführerin Cosima Ingenschay vor allem auf diese im DB-Angebot nicht enthaltene Mindesterhöhung. Außerdem kritisieren sie die angebotene Laufzeit von 24 Monaten. Die Bahn hatte zuvor 27 Monate angeboten, die EVG fordert jedoch zwölf.
Die EVG zeige kein Entgegenkommen und mache keine Lösungsvorschläge, sondern beharre "einfach stur auf ihren Ausgangsforderungen", kritisierte Seiler. Sie bringe damit "alle in eine schwierige Lage", denn die Mitarbeitenden bekämen zunächst keine Lohnerhöhung und die Reisenden müssten "mit einer völlig ungeklärten Situation umgehen". Die Bahn wolle nun die Gesamtsituation umfassend bewerten und in den dafür zuständigen Gremien über weitere Schritte beraten, kündigte er an.
Verhandlungen sollten im Interesse der Bahn sein, "denn so lange wir am Verhandlungstisch sitzen, wird nicht gestreikt", betonte Loroch. Die EVG hatte in dem laufenden Tarifstreit bereits zwei Mal zum Streik aufgerufen. Für Mitte Mai rief sie dann zu einem 50-stündigen Warnstreik auf. Nach einem vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main erzielten Vergleich mit der Bahn setzte sie den Ausstand vorerst aus und beide Seiten traten wieder in Verhandlungen ein.
D.Schneider--BTB