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Nato verstärkt nach gewaltsamen Zusammenstößen KFOR-Schutztruppe im Kosovo
Nach den gewaltsamen Zusammenstößen im Kosovo hat die Nato eine Verstärkung der internationalen Schutztruppe KFOR angekündigt. Die Stationierung zusätzlicher Nato-Soldaten in dem Balkanland sei eine Vorsichtsmaßnahme, erklärte Nato-Kommandeur Stuart B. Munsch am Dienstag. Derweil machte Serbiens Präsident Aleksandar Vucic Pristinas "einseitige Entscheidungen" für die Eskalation verantwortlich.
Die Entsendung weiterer Truppen ins Kosovo sei ein Schritt, "um sicherzustellen, dass die KFOR über die Fähigkeiten verfügt, die sie zur Aufrechterhaltung der Sicherheit gemäß unseres UN-Sicherheitsratsmandats benötigt", erklärte Munsch am operativen Hauptkommando der Allianz in Italien. Er forderte zudem ein Ende der Gewalt.
Wie die Nato mitteilte, werden Reservekräfte der sogenannten Operational Reserve Force (ORF) für den westlichen Balkan entsandt, die innerhalb von sieben Tagen einsatzbereit seien. Darüber hinaus sei ein zusätzliches multinationales Bataillon von Reservekräften angewiesen worden, "seine Einsatzbereitschaft von 14 auf sieben Tage zu reduzieren, um die KFOR bei Bedarf zu verstärken".
Unterdessen versammelten sich auch am Dienstag wieder serbische Demonstrierende vor der Stadtverwaltung in Zvecan im Norden des Kosovo. KFOR-Soldaten stellten eine Metallbarriere auf und hinderten hunderte Serben daran, in das Gebäude einzudringen. Vor dem Rathaus standen drei gepanzerte Fahrzeuge der kosovarischen Polizei.
Bei Protesten am Montag in Zvecan hatten sich italienische und ungarische KFOR-Soldaten serbischen Demonstrierenden entgegengestellt, welche die Stadtverwaltung stürmen wollten. Die Soldaten wurden mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen angegriffen. Die Polizei setzte Tränengas ein.
Bei den Zusammenstößen wurden nach KFOR-Angaben 19 ungarische und elf italienische Soldaten verletzt. Sie erlitten demnach Knochenbrüche und Verbrennungen durch selbstgebaute Brandsätze. Drei ungarische Soldaten seien zudem "durch Schusswaffen verletzt" worden. Serbiens Präsident Vucic sprach von 52 verletzten Demonstranten. Die kosovarische Polizei nahm nach eigenen Angaben fünf Demonstranten fest.
Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land Kosovo mit seiner mehrheitlich ethnisch-albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als serbische Provinz betrachtet. Rund 120.000 Serben leben im Kosovo, vor allem im Norden des Landes.
Die kosovarische Polizei beschrieb die Situation am Dienstag als "angespannt, aber ruhig". Bereits am Freitag hatte es dort vehemente Proteste gegeben. In Serbien versetzte daraufhin Präsident Vucic die Armee in "höchste Alarmbereitschaft" und entsandte Soldaten an die Grenze zum Kosovo.
Im April hatten die kosovarischen Behörden in vier mehrheitlich von Serben bewohnten Orten Kommunalwahlen abgehalten. Die Serben boykottierten die Wahlen jedoch weitgehend, so dass die albanische Minderheit trotz einer Wahlbeteiligung von insgesamt weniger als 3,5 Prozent die Kontrolle über die Gemeinderäte übernahm.
Die Demonstrierenden fordern den Abzug der kosovarischen Sicherheitskräfte aus der Region und die Absetzung der ethnisch-albanischen Bürgermeister. Das russische Außenministerium erklärte am Dienstag, es sei noch nicht zu spät, "die Geschichte der gefälschten Kommunalwahlen vom 23. April zurückzudrehen, wenn dem Westen wirklich etwas an Frieden und Stabilität liegt".
Im Westen wurden die Vorfälle von Montag scharf verurteilt. Das Auswärtige Amt in Berlin forderte einen "sofortigen Stopp" der Gewalt.
Vucic traf am Dienstag in Belgrad die Botschafter mehrerer Nato-Staaten, darunter Deutschland. Er kündigte an, sich auch mit den Repräsentanten der Verbündeten Russland und China treffen zu wollen. Nach seinem Treffen mit den westlichen Diplomaten schrieb Vucic im Onlinedienst Instagram, Pristinas "einseitige Entscheidungen" führten zu "Gewalt gegen die serbische Gemeinschaft, was uns von einem dauerhaften Frieden und Stabilität in der Region entfernt".
"Der schnelle Abzug der falschen Bürgermeister und der Mitglieder der sogenannten Spezialeinheiten aus Pristina ist die Voraussetzung für die Erhaltung des Friedens im Kosovo", erklärte Vucic weiter.
E.Schubert--BTB