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"Schuss in den Ofen": Fan-Krawalle überschatten Dresden-Spiel
Das Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC ist nach Jagdszenen auf dem Feld zwischenzeitlich unterbrochen worden. In der 19. Spielminute machten sich zahlreiche vermummte Dynamo-Fans aus dem K-Block auf den Weg zum Gästeblock, es kam zu Auseinandersetzungen, Pyrotechnik und Raketen wurden hin- und hergeschossen, ehe die Polizei die Heimfans zurück in den eigenen Block drängte.
Die Mannschaften verließen währenddessen das Feld, das Spiel wurde beim Stand von 0:0 unterbrochen. Die Polizei bildete eine Kette vor dem Heimblock. Der gesperrte Kapitän Stefan Kutschke machte sich auf den Weg zum Block, um schlichtende Worte an den Anhang zu richten, musste aber unverrichteter Dinge wieder umdrehen. Erst nach rund 20-minütiger Unterbrechung pfiff Schiedsrichter Sven Jablonski die Partie wieder an.
Das Spiel endete schließlich mit 1:0 (0:0) für die lange Zeit in Unterzahl spielende Hertha - die Aufholjagd im Aufstiegsrennen geht damit weiter. Josip Brekalo sah wegen groben Foulspiels die Rote Karte (66.). Vincent Vermeij scheiterte für Dresden kurz darauf mit einem Handelfmeter nach Videobeweis an Tjark Ernst (77.), dann traf Marten Winkler mit einem von Alexander Rossipal entscheidend abgefälschten Kopfball (80.).
"Das ist in dem Moment sehr unwirklich. Das hat auf dem Fußballplatz überhaupt nichts zu suchen. Wir stehen alle ein Stück weit unter Schock", sagte Dresdens Sport-Geschäftsführer Sören Gonther bei Sky über die Ausschreitungen. Auslöser soll "wohl ein Fahnenklau" gewesen sein. Der Verein distanziere sich "ganz klar" von so einem Verhalten. Schon zu Beginn war das Spiel aufgrund von Pyronebel für mehrere Minuten unterbrochen worden.
Angesichts der aktuell intensiven Diskussionen über verschärfte Stadionverbotsrichtlinien seien die Vorkommnisse "ein ganz großer Schuss in den Ofen, vollkommen daneben", sagte Dresdens Finanz-Geschäftsführer Stephan Zimmermann: "Das ist nicht das, wofür wir stehen, arbeiten und kämpfen. Das wollen wir nicht sehen." Ein Abend wie dieser helfe "überhaupt nicht weiter" in der Diskussion.
So sahen das auch die Hertha-Verantwortlichen. "Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker. Das ist uns bewusst", sagte Geschäftsführer Peter Görlich: "Ich kann mich nur bei allen Beteiligten im Stadion entschuldigen. Das entspricht überhaupt nicht meinem Wertegerüst. Wir sind für eine lebendige Fankultur. Aber sobald Gewalt im Spiel ist und man auf die Idee kommt, andere Menschen mit Pyrotechnik zu beschießen, hört es bei mir auf."
Man sollte in der Diskussion um die Stadionverbotsrichtlinien aber "nicht den Fehler machen, alles zu pauschalisieren und diese Thematik direkt hiermit zu verknüpfen", führte Görlich aus. Aber man müsse sich "schon fragen, wo ist die Argumentationslinie, dass man darüber noch sprechen kann. Uns gehen langsam die Argumente aus."
L.Meier--VB