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Fifa-Chef Infantino trotz Investoren-Rückziehers weiter massiv unter Druck
Fifa-Chef Gianni Infantino bleibt auch nach dem Verzicht auf seinen umstrittenen Investoren-Plan massiv unter Druck. Die Uefa entzog ihm am Samstag in einer Erklärung ihr "Vertrauen". Ebenso wie der europäische Fußballverband fordert auch der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf eine umfassende Aufarbeitung von Infantinos Präsidentschaft. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verlangte eine "grundsätzlich andere Kultur" im Weltfußballverband.
Infantino hatte in einer Erklärung in der Nacht zum Samstag mitgeteilt, dass er seinen Plan, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft und anderen Turnieren an Investoren zu veräußern, "nicht weiterverfolgt".
Dennoch erklärte die Uefa, die mit einem europäischen Boykott der WM wegen der Pläne gedroht hatte, einige Stunden später: "Die derzeitige Führung der Fifa hat nicht nur das Vertrauen der Uefa verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußball-Familie". Die Aufgabe, dieses Vertrauen wiederherzustellen, habe "gerade erst begonnen".
Infantinos Vorhaben sei ein "schäbiges, in Hinterzimmern ausgehecktes und undurchsichtiges Geschäft" gewesen, das Infantino habe durchdrücken wollen, erklärte die Uefa. Der Chef des Weltfußballverbands habe bei seiner ersten Wahl 2016 Transparenz versprochen und den Mitgliedsverbänden zugesichert, das Geld der Fifa sei "euer Geld" und nicht das Geld des Präsidenten. "Beide Versprechen hat er nicht eingehalten", konstatierte die Uefa.
Gemeinsam mit ihren 55 Mitgliedsverbänden und anderen Kontinentalverbänden will die Uefa nach eigenen Angaben nun untersuchen, wie es zu Infantinos Vorstoß kommen konnte. "Keine Option sollte ausgeschlossen werden", erklärte sie.
Infantinos bislang als sicher geltende Wiederwahl im März 2027 erscheint nun zunehmend in Frage gestellt. Auch die Concacaf verlangte eine "umfassende Aufarbeitung dieser Präsidentschaft". Infantinos Vorgehen sei ein "einseitiger und ungeheuerlicher Akt schlechter Führung" und Teil eines Musters ähnlicher Fehltritte. Der Investoren-Plan sei "außerhalb jedes etablierten Führungsrahmens, ohne Transparenz, Beratung oder ordnungsgemäßes Verfahren" vorangetrieben worden.
Ein Vorhaben dieser Größenordnung gelange nicht zufällig so weit, erklärte die Concacaf. Zu dem Verband gehören die USA, Kanada und Mexiko gehören, die drei Gastgeber der Mitte Juli zu Ende gegangenen WM. Infantinos Plan sei "das Symptom einer Führung, die aufgehört hat, den Fußball an die erste Stelle zu setzen", monierte die Concacaf.
Auch der DFB fordert eine "lückenlose Aufklärung". Infantino habe "eigenmächtig, intransparent und letztlich auch unverantwortlich im Sinne des Fußballs gehandelt", erklärte DFB-Präsident Bernd Neuendorf gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (SID). Entscheidungen müssten wieder von den Mitgliedern in den zuständigen Gremien beraten und getroffen werden. Der englische Verband FA forderte ebenfalls eine umfassende Überprüfung der Fifa-Führung.
Infantinos Plan sah die Gründung einer kommerziellen Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise (FFE) vor. Sie sollte Wettbewerbe wie die WM und die Klub-WM vermarkten. Private Investoren hätten bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen können. Auf Grundlage einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar (17,3 Milliarden Euro) wollte die Fifa bis zu 4,2 Milliarden Dollar einnehmen.
Bei einer Annahme des Projekts sollte jeder der 211 Mitgliedsverbände Anfang 2027 eine Einmalzahlung von 20 Millionen Dollar erhalten. Zudem sollten die Fördermittel für jeden Verband für die Jahre 2027 bis 2030 von acht auf 20 Millionen Dollar erhöht werden.
Als möglicher Großinvestor bei der Fifa war die Beteiligungsgesellschaft Thrive Eternal genannt worden. Sie wurde von Joshua Kushner gegründet - er ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.
Infantinos enge Beziehungen zu Trump hatten bereits während der jüngsten WM ür heftige Kritik gesorgt. Die Aufhebung einer Spielsperre für den US-Stürmer Folarin Balogun nach einer Intervention Trumps bei Infantino sorgte für einen Skandal während des Turniers und erschütterte nach Meinung vieler Kommentatoren die Glaubwürdigkeit des Fußballs.
Nach dem Bekanntwerden von Infantinos Investoren-Plan drohte die Uefa dann mit einem Boykott sämtlicher Fifa-Wettbewerbe einschließlich der WM. Alle 55 europäischen Verbände lehnten das Projekt nach Angaben des Dachverbands geschlossen ab. Auch die asiatische Konföderation AFC und die Concacaf kritisierten das Verfahren. Zudem trat Infantinos führender Berater Carlos Cordeiro zurück. Er bezeichnete den Plan als schlechtes Geschäft für die Verbände und den Fußball.
Infantino begründe seinen Rückzieher damit, dass er mit dem Investoren-Plan die Mitgliedsverbände habe stärken sollen, stattdessen das Vorhaben aber zu "Spaltungen" geführt habe.
Rückendeckung erhielt Infantino vom marokkanischen Verbandspräsidenten Fouzi Lekjaa. Dieser lobte den Rückzieher als "weise" Entscheidung im Interesse von "Einheit und Zusammenhalt". Marokko zählt zu den drei Hauptgastgebern der nächsten Fußball-WM im Jahr 2030.
E.Burkhard--VB