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Infantino kippt Investoren-Plan nach Protest - Uefa entzieht Fifa-Chef dennoch Vertrauen
Fifa-Chef Gianni Infantino hat nach den heftigen Protesten seinen Plan für den Verkauf von WM-Anteilen an Investoren zurückgezogen - dennoch bleibt die Uefa auf Konfrontationskurs zu Infantino. Der europäische Fußballverband entzog dem 56-jährigen Schweizer am Samstag in einer Mitteilung das Vertrauen, kündigte eine umfassende Untersuchung an und erklärte: "Keine Option sollte ausgeschlossen werden." Infantino muss offenbar zunehmend um seine Wiederwahl an die Spitze des Weltfußballverbands fürchten.
"Die derzeitige Führung der Fifa hat nicht nur das Vertrauen der Uefa verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußball-Familie", konstatierte die Uefa. Die Aufgabe, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen, habe "gerade erst begonnen".
Die Uefa bezeichnete das von Infantino geplante Vorhaben, eine Fifa-Tochtergesellschaft zu gründen und Investoren den Kauf von Anteilen daran zu ermöglichen, als "schäbiges, in Hinterzimmern ausgehecktes und undurchsichtiges Geschäft", das er gegen den Widerstand der Verbände habe durchdrücken wollen. Der Rückzieher sei zwar "ein Sieg für den gesamten Fußball", dürfe aber nicht das Ende der Angelegenheit sein.
Infantino habe bei seiner ersten Wahl zum Fifa-Präsidenten 2016 Transparenz versprochen und den Mitgliedsverbänden zugesichert, das Geld des Weltverbands sei "euer Geld" und nicht das Geld des Präsidenten. "Beide Versprechen hat er nicht eingehalten", erklärte die Uefa.
Trotz Rücklagen von mehr als fünf Milliarden Dollar (4,3 Milliarden Euro) ahabe die Fifa-Führung das Geld der Mitgliedsverbände nicht zum Nutzen des Fußballs eingesetzt. Mit "geheimen Plänen in beschleunigten Verfahren" könne es nicht weitergehen, warnte die Uefa.
Infantinos Vorhaben sah die Gründung der kommerziellen Tochtergesellschaft Fifa Forward Enterprise (FFE) vor. Sie sollte Wettbewerbe wie die Fußball-Weltmeisterschaft und die Klub-WM vermarkten. Private Investoren hätten bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen können. Die Fifa wollte auf Grundlage einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar bis zu 4,2 Milliarden Dollar einnehmen.
Bei einer Annahme des Projekts sollte jeder der 211 Mitgliedsverbände Anfang 2027 eine Einmalzahlung von 20 Millionen Dollar erhalten. Zudem sollten die Fördermittel für jeden Verband für die Jahre 2027 bis 2030 von acht auf 20 Millionen Dollar erhöht werden.
Die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness hatte dieses Vorgehen als "eine Form von Erpressung" bezeichnet. Die Uefa sprach von einem "Ultimatum" und von "Führung durch Angst". Die Fifa hatte ihren Mitgliedsverbänden nach Medienberichten bis zum 19. September Zeit für eine Entscheidung gegeben.
Alle 55 europäischen Verbände lehnten das Projekt nach Angaben der Uefa geschlossen ab. Der europäische Dachverband drohte mit einem Boykott sämtlicher Fifa-Wettbewerbe einschließlich der WM. Auch die asiatische Konföderation AFC und die Concacaf für Nord- und Mittelamerika kritisierten das Verfahren.
Infantino erklärte schließlich in der Nacht zum Samstag, das Vorhaben werde "nicht weiterverfolgt". Es habe die Mitgliedsverbände stärken sollen, stattdessen aber zu Spaltungen geführt. "Unser Ziel war es schon immer – und wird es auch immer bleiben –, den Sport zu vereinen und zu verbessern", betonte er.
Die Uefa will nun mit ihren Mitgliedsverbänden und anderen Kontinentalverbänden untersuchen, wie es zu dem Vorstoß kommen konnte und wie sich eine Wiederholung verhindern lässt. Infantinos lange als sicher geltende Wiederwahl für eine dritte und letzte Amtszeit im März 2027 scheint nach dem gescheiterten Projekt zunehmend infrage gestellt. Bislang ist er der einzige erklärte Kandidat.
Zusätzlichen Druck hatte der Rücktritt von Infantinos führendem Berater Carlos Cordeiro erzeugt. Dieser bezeichnete das Investoren-Vorhaben als schlechtes Geschäft für die Mitgliedsverbände, den Fußball und dessen langfristige Zukunft.
Als möglicher Großinvestor bei der Fifa war die Beteiligungsgesellschaft Thrive Eternal genannt worden. Sie wurde von Joshua Kushner gegründet - er ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Infantinos enge Beziehungen zu Trump hatten bereits während der jüngsten Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko für heftige Kritik gesorgt.
K.Hofmann--VB