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Israel greift erneut Vororte Beiruts an - Iran zieht Gespräche mit USA in Zweifel
Trotz einer womöglich bevorstehenden Unterzeichnung eines Abkommens zur Beendigung des Iran-Kriegs hat die israelische Armee am Sonntag erneut Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Die Armee habe Angriffe im Stadtteil Dahijeh ausgeführt als "Antwort auf Angriffe der Hisbollah auf israelisches Territorium", erklärten Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf zog daraufhin weitere Gespräche mit den USA im Zweifel.
"Wenn Ihr nicht den Willen oder die Fähigkeit habt, Eure Verpflichtungen einzuhalten, dann ist es sinnlos darüber zu sprechen, diesen Weg weiterzugehen", erklärte der iranische Verhandlungsführer Ghalibaf am Sonntag im Onlinedienst X. Die israelischen Angriffe auf Dahijeh hätten gezeigt, dass die USA entweder ihre Zusagen entweder nicht einhalten wollten oder dies nicht könnten.
Der Iran macht ein Abkommen mit den USA von einer umfassenden Waffenruhe auch im Libanon abhängig. Vor einer Woche hatte ein israelischer Angriff auf Beirut erstmals seit Beginn einer Waffenruhe wieder gegenseitige Angriffe zwischen dem Iran und Israel ausgelöst.
Ein hochrangiger iranischer Militärvertreter erklärte iranisches Medienberichten zufolge am Sonntag, der Angriff auf Beirut werde "nicht ungestraft" bleiben.
Die israelische Armee teilte mit, sie habe eine Infrastruktur-Anlage in Dahijeh "präzise getroffen". Die südlichen Vororte Beiruts gelten als Hochburg der pro-iranischen Hisbollah-Miliz.
Die amtliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete, ein Angriff habe den südlichen Vorort Ghobeiry getroffen. Dem örtlichen Zivilschutzbehörde zufolge wurden dabei mindestens drei Menschen getötet. "Die Leichen von drei Märtyrern" seien aus den Trümmern geborgen und "sechs Verletzte" in Krankenhäuser gebracht worden, erklärte die Behörde.
Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP hörte mehrere Explosionen in den südlichen Vororten.
Die Hisbollah reklamierte derweil am Sonntag mehrere Angriffe auf israelische Soldaten im Süden des Libanon für sich. Angriffe auf den Norden Israels meldete die Miliz zunächst nicht.
Israelische Regierungsvertreter hatten gewarnt, Israels Armee werde den Süden Beiruts angreifen, sollte die Hisbollah Orte im Norden Israels ins Visier nehmen.
Zuvor hatte die israelische Armee von drei Angriffen mit Drohnen auf den Norden Israels gesprochen, die sie der Hisbollah zuschrieb. "Es wurden zwei Einschläge verdächtiger Geschosse auf israelischem Gebiet in der Nähe der israelisch-libanesischen Grenze festgestellt. Es wurden keine Verletzten gemeldet", hieß es in einer ersten Stellungnahme der Armee am Sonntag. Später erklärten die Streitkräfte, ein weiteres "feindliches Fluggerät" sei in den israelischen Luftraum vorgedrungen.
Daraufhin verlangten zwei rechtsextreme israelische Minister Vergeltungsangriffe auf Beirut. Er habe Ministerpräsident Netanjahu aufgefordert, "Gebäude in Dahijeh zu zerstören", schrieb Finanzminister Bezalel Smotrich im Onlinedienst X. "Für jede Drohne eine Rakete", erklärte auch Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir.
In der vergangenen Woche hatten ein israelischer Angriff auf Beirut mit zwei Toten eine neue Angriffswelle zwischen Israel und dem Iran ausgelöst. Teheran kritisierte, Israel habe mit dem Angriff auf Beirut "alle roten Linien überschritten" und reagierte am vergangenen Sonntag mit Raketenbeschuss auf Israel. Am nächsten Tag verkündeten beide Seiten eine Ende der Angriffe.
Auch im Süden des Libanon gab es Berichten der Nachrichtenagentur NNA zufolge am Sonntag israelische Angriffe auf mehr als ein Dutzend Ortschaften. Die Angriffe erfolgten demnach sowohl vor als auch nach einer Evakuierungsanordnung Israels. Am Morgen hatte die israelische Armee die Bewohner von 29 Ortschaften im Süden des Libanon dazu aufgerufen, sich wegen der geplanten Angriffe in Sicherheit zu bringen.
Eigentlich gilt im Libanon seit dem 17. April eine Waffenruhe. Israel und die Hisbollah-Miliz greifen sich dessen ungeachtet weiter täglich an. Die Hisbollah lehnt eine Waffenruhe ab.
Der Iran fordert, dass ein seit Wochen verhandeltes Abkommen für eine Beendigung des Iran-Kriegs den Libanon einschließt. Trump hatte mehrfach verkündet, dass ein Abkommen mit Teheran kurz bevor stehe. Zuletzt kündete er eine Unterzeichnung für Sonntag an. Aus Teheran hieß es hingegen, eine abschließende Entscheidung zu einem Abkommen sei noch nicht getroffen worden.
Zuvor hatte Teheran bereits Hoffnungen auf eine rasche Einigung am Wochenende gedämpft. "Wir müssen abwarten, bis das genaue Datum der Unterzeichnung feststeht", sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Bakaei. Das werde nicht am Sonntag, sondern eher "in den kommenden Tagen" der Fall sein.
S.Spengler--VB