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Mali: Dschihadisten rufen zu "gemeinsamer Front" gegen Militärjunta auf
In den seit Tagen anhaltenden Angriffen von Dschihadisten und Tuareg-Rebellen auf Positionen der Militärjunta in Mali hat die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete islamistische Gruppe JNIM zur Bildung einer breiten "gemeinsamen Front" gegen die Machthaber in Bamako aufgerufen. "Wir rufen alle aufrichtigen Patrioten, ohne jegliche Unterscheidung, dazu auf, sich zu erheben und unsere Kräfte in einer gemeinsamen Front zu vereinen", erklärten die Dschihadisten am Donnerstag. Zuvor hatten die Dschihadisten Sicherheitskreisen zufolge mit einer Blockade der Hauptstadt Bamako begonnen.
Die Dschihadisten der JNIM richteten ihren Aufruf an "die politische Parteien, die nationalen Streitkräfte, religiöse Autoritäten, traditionelle Führer und alle Bestandteile der malischen Gesellschaft". Es sei "zwingend notwendig", der Junta ein Ende zu setzen für "eine friedliche und inklusive Transition" hin zu einem "neuen Mali". In diesem werde "eine der wesentlichen Prioritäten die Einführung der Scharia", des islamischen Rechts, sein.
Die nigrische Regierung gab derweil Angriffe der anti-dschihadistischen AES-Allianz auf Ziele im Norden Malis bekannt. Die Behörden im Niger sprachen von einer "schnellen und energischen Reaktion der Einheiten der gemeinsamen Truppe". Diese habe "in den Stunden nach den feigen Angriffen vom 25. April 2026 in Gao, Ménaka und Kidal intensive Luftkampagnen" ausgeführt.
Zuvor hatte die JNIM mit einer Blockade der malischen Hauptstadt Bamako begonnen. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Sicherheits- und Transportkreisen erfuhr, wurde in Richtung der Hauptstadt eine Straßenblockade errichtet. Nach Angaben von Transportunternehmen saßen am Donnerstag hunderte Fahrzeuge und Waren an verschiedenen Zufahrtsstraßen zur Stadt fest, insbesondere auf den Straßen in die für Malis Wirtschaft wichtigen Hafenstädte Conakry, Abidjan und Dakar. Die JNIM hatte die Blockade der Zufahrtsstraßen nach Bamako zwei Tage zuvor angekündigt.
Die Islamisten drohten zudem allen, die sich noch auf den Straßen in Richtung Hauptstadt oder der nahegelegenen wichtigen Stadt Kati aufhielten, mit schweren Vergeltungsmaßnahmen. Nur, wer sich bereits in Bamako befinde, dürfe die Stadt verlassen, erklärte ein JNIM-Sprecher.
In Bamako fand derweil unter strengen Sicherheitsvorkehrungen eine Gedenkfeier für Verteidigungsminister Sadio Camara statt, der am Wochenende bei Angriffen auf strategische Stellungen der regierenden Militärjunta getötet worden war. Anwesend waren am Donnerstag auch Junta-Chef Assimi Goita und tausende Menschen.
Dschihadisten und Tuareg-Rebellen hatten am Wochenende im ganzen Land Positionen der Militärjunta angegriffen und dabei die Kontrolle über die wichtige Stadt Kidal im Norden des Landes übernommen. Die Tuareg-Rebellengruppe FLA und die islamistische JNIM bekannten sich zu den Angriffen.
Durch die koordinierten Attacken befindet sich die Militärregierung des Landes in einer beispiellos geschwächten Lage: Nach Angaben der JNIM wurden bei Angriffen in Kati die Wohnhäuser von Junta-Chef Goita und Verteidigungsminister Sadio Camara angegriffen. Camara, der als maßgeblicher Architekt der malischen Annäherung an Russland gilt, wurde bei den Angriffen getötet.
Ein Sprecher der FLA hatte am Mittwoch mit Blick auf die Militärregierung in Bamako gesagt, diese werde "früher oder später fallen". Angesichts der Offensive der FLA zur Rückeroberung des Gebiets Azawad im Norden Malis einerseits und einer Offensive der JNIM auf Bamako und andere Städte andererseits werde "die Junta nicht standhalten können", sagte der Sprecher Mohamed Elmaulud Ramadan AFP.
Mali wird seit vielen Jahren von Gewalt erschüttert. Die seit zwei Putschen in den Jahren 2020 und 2021 herrschenden Militärs sehen sich unter anderem mit einer Rebellion islamistischer Extremisten konfrontiert, die immer wieder Anschläge und Angriffe auf Regierungstruppen verüben. Zudem sind kriminelle Banden in dem Land aktiv. Die koordinierten Angriffe vom Wochenende hatten Experten zufolge allerdings eine neue Qualität.
Mali hat - wie auch seine Nachbarstaaten Niger und Burkina Faso - die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich abgebrochen und sich Russland angenähert.
R.Fischer--VB