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Teheran droht USA nach aggressiver Trump-Rede mit "vernichtenden" Angriffen
US-Präsident Donald Trump hat mit einer aggressiven Fernsehansprache zum Iran-Krieg scharfe Reaktionen aus Teheran provoziert und neue Verunsicherung an den Öl- und Finanzmärkten ausgelöst. Die iranischen Streitkräfte drohten den USA und Israel am Donnerstag "vernichtende" Angriffe an und feuerten zahlreiche Geschosse auf israelische Städte ab. Während Trumps Forderung an andere Staaten, die Straße von Hormus zu sichern, auf Ablehnung stieß, schnellte der Erdölpreis in die Höhe und Aktienkurse sanken.
Trump hatte am Mittwochabend in einer Rede an die Nation ein rasches Ende des Iran-Kriegs in Aussicht gestellt - zugleich aber neue massive Angriffe angekündigt. "Wir werden die Sache zu Ende bringen, und zwar sehr schnell", sagte der US-Präsident. Dank militärischer Erfolge seien die Vereinigten Staaten "auf dem besten Weg, alle militärischen Ziele der USA bald, sehr, sehr bald, zu erreichen".
Es werde aber noch "extrem harte" Angriffe auf den Iran "in den kommenden zwei bis drei Wochen" geben, sagte Trump. "Wir werden sie in die Steinzeit zurückversetzen, wo sie hingehören." Die US-Armee werde "jedes einzelne ihrer Kraftwerke" angreifen, sollte keine Verhandlungslösung erzielt werden, drohte der Präsident in seiner 19-minütigen Rede.
Trump forderte zugleich Erdöl-importierende Länder auf, die vom Iran de facto blockierte Straße von Hormus freizubekommen. Sie sollten "Mut" zeigen und die für den Welthandel wichtige Meerenge sichern.
Das stieß unter anderem beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf Widerspruch. Eine Öffnung der Straße von Hormus für alle Schiffe durch Waffengewalt sei "unrealistisch", sagte der Präsident bei einer Südkorea-Reise. Grundsätzlich warf Macron Trump vor, "zu viel zu reden" und erratisch zu handeln: "Es geht in alle Richtungen."
Mit der Lage an der Straße von Hormus befassten sich am Donnerstag rund 40 Länder bei einem von Großbritannien organisierten virtuellen Treffen. Die britische Außenministerin Yvette Cooper unterstrich zum Auftakt die "dringende Notwendigkeit" einer Wiedereröffnung der Meerenge. Die "Rücksichtslosigkeit" des Iran bei der Blockierung der Straße von Hormus "trifft unsere globale wirtschaftliche Sicherheit hart".
Der italienische Außenminister Antonio Tajani warb bei dem Treffen für einen "humanitären Korridor" für Düngemittel und andere humanitäre Güter, um eine Ernährungskrise zu vermeiden. Die Straße von Hormus ist seit Beginn der US-israelischen Angriffe de facto von den iranischen Revolutionsgarden blockiert. Die Blockade hat zu einem dramatischen Anstieg der Erdölpreise geführt.
Nach Trumps Rede schnellten die Erdölpreise erneut in die Höhe. Die US-Referenzsorte WTI legte am Donnerstag um mehr als zehn Prozent zu und kostete mehr als 110 Dollar (rund 95 Euro) pro Barrel. Aktienkurse dagegen sackten erneut ab, nachdem Anleger vorübergehend auf eine Entspannung der Lage gehofft hatten.
Derweil wuchsen die Appelle, im Iran-Krieg eine diplomatische Lösung zu erzielen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte, die Welt stehe "am Rande eines größeren Kriegs", der weltweit "dramatische Auswirkungen" haben könnte.
China rief nach Trumps Ansprache zu einem sofortigen Ende der Kampfhandlungen auf. "Militärische Mittel können das Problem nicht grundlegend lösen und die Eskalation von Konflikten widerspricht den Interessen beider Seiten", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Außenminister Wang Yi bezeichnete die US-israelischen Angriffe nach Angaben chinesischer Staatsmedien als Verstoß gegen das Völkerrecht.
Der russische Präsident Wladimir Putin, der selbst vor mehr als vier Jahren den Ukraine-Krieg gestartet hatte, und der saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman betonten in einem Telefonat nach Kreml-Angaben die "Notwendigkeit einer raschen Einstellung der Kämpfe und der Intensivierung der politischen und diplomatischen Bemühungen".
Das zentrale Einsatzkommando der iranischen Armee drohte aber nach Trumps Rede mit "noch vernichtenderen, umfassenderen und zerstörerischeren Maßnahmen". Der Iran attackierte am Donnerstag wiederholt Ziele in Israel, wo Pessach gefeiert wurde. Im Raum Tel Aviv wurden vier Menschen verletzt, in Jerusalem waren am Nachmittag Explosionen zu hören. Explosionen waren laut AFP-Journalisten auch in der iranischen Hauptstadt Teheran zu hören.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen auf den Iran begonnen. Teheran reagiert seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, auf mehrere Golfstaaten sowie auf US-Einrichtungen in der Region.
Kritiker werfen US-Präsident Trump vor, in dem Krieg keine klare Strategie zu verfolgen und die Öffentlichkeit und Partnerstaaten über seine genauen Ziele im Unklaren zu lassen. Der US-Senator Chris Murphy von den oppositionellen Demokraten erklärte, wer Trumps Ansprache verfolgt habe, habe "keine Ahnung", ob Trump den Krieg mit dem Iran eskaliere oder deeskaliere. "Aber um fair zu sein: Er selbst weiß es auch nicht."
M.Schneider--VB