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Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats nach Tod von Blauhelmsoldaten im Libanon
Nach dem Tod von drei indonesischen Blauhelmsoldaten im Südlibanon will der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Die Zusammenkunft des mächtigsten UN-Gremiums ist für Dienstag 16.00 Uhr angesetzt, wie aus Diplomatenkreisen verlautete. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigte derweil einen Verbleib der israelischen Armee im Südlibanon über den aktuellen Militäreinsatz gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz hinaus an.
Am Sonntag war ein indonesischer Soldat der UN-Mission Unifil im Süden des Libanon bei der Explosion eines Geschosses getötet worden. Am Montag wurden dann bei einer erneuten Explosion im Südlibanon zwei weitere UN-Soldaten aus Indonesien getötet. Nach Angaben von Unifil wurden bei dem zweiten Vorfall zudem zwei weitere ihrer Soldaten verletzt, einer von ihnen schwer. Die UN-Mission leitete Ermittlungen zu den Explosionen ein, deren Ursache zunächst ungeklärt war.
Der indonesische Außenminister Sugiono verurteilte die Vorfälle als "abscheulich". Sugiono, der - wie es in dem südostasiatischen Land häufig der Fall ist - nur einen Namen führt, sprach nach eigenen Angaben mit UN-Generalsekretär António Guterres über den Tod der indonesischen Blauhelmsoldaten. Dabei habe er um eine "rasche, gründliche und transparente Untersuchung" gebeten.
Indonesien hatte sich einem Antrag Frankreichs angeschlossen, wegen des Todes der Blauhelmsoldaten die Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York einzuberufen.
Die EU verurteilte die Vorfälle als "völlig inakzeptabel". Der Sprecher der Europäischen Kommission, Anouar El Anouni, sprach von einem "schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht" und forderte "eine gründliche Untersuchung".
Die israelische Armee erklärte, die Vorfälle würden "gründlich überprüft, um die Umstände zu klären und festzustellen, ob sie durch Aktivitäten der Hisbollah" oder der israelischen Streitkräfte verursacht worden seien. Wegen solcher Vorfälle in einem aktiven Kampfgebiet solle nicht davon ausgegangen werden, dass sie von den israelischen Streitkräften verursacht worden seien.
Die israelische Armee meldete zudem den Tod von vier ihrer Soldaten bei Kämpfen gegen die Hisbollah. Zwei weitere Soldaten seien bei demselben Vorfall verletzt worden.
Laut der jüngsten Bilanz des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden seit Beginn der erneuten Eskalation zwischen der Hisbollah und Israel vor rund vier Wochen mehr als 1200 Menschen im Libanon getötet. Die israelische Armee gab an, unter den Getöteten seien "850 Terroristen".
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die vom Iran unterstützte Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Soldaten über die Grenze.
Der israelische Verteidigungsminister kündigte an, die israelische Armee werde sich nach Abschluss ihres derzeitigen Einsatzes "in einer Sicherheitszone im Libanon niederlassen, an einer Verteidigungslinie gegen Panzerabwehrraketen".
Die Armee werde somit "die Sicherheitskontrolle über das gesamte Gebiet bis zum Litani aufrechterhalten", sagte Katz in einem von seinem Ministerium veröffentlichten Video. Auch dürften hunderttausende im Zuge der Kämpfe vertriebene Bewohner nicht zurückkehren, bis die Sicherheit im Norden Israels gewährleistet sei, kündigte der Minister an.
Katz bezog sich auf den etwa 30 Kilometer von der israelischen Grenze entfernten Fluss Litani, hinter den sich die Hisbollah-Miliz laut einer Waffenruhe-Vereinbarung mit Israel vom November 2024 zurückziehen sollte. In dem Gebiet im Südlibanon sollten lediglich die libanesische Armee und Unifil-Soldaten verbleiben.
Die Unifil ist seit Jahrzehnten im Süden des Libanon im Einsatz. An der Mission sind auch rund 200 Bundeswehrsoldaten beteiligt, die die libanesische Seegrenze überwachen und libanesische Marinesoldaten ausbilden.
Nach UN-Angaben haben seit der neuen Eskalation der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Zuge des Iran-Kriegs mehr als 200.000 Menschen die Grenze zwischen dem Libanon und Syrien passiert, die meisten von ihnen Syrer.
Zwischen dem 2. und 27. März seien fast 180.000 Syrer und 28.000 Libanesen auf der Flucht vor den Kämpfen über die drei offiziellen Grenzübergänge nach Syrien eingereist, erklärte die Vertreterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Damaskus, Aseer al-Madaien.
Laut Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP wurde am Dienstag erneut ein südlicher Vorort von Beirut von einem israelischen Angriff getroffen. Auf den Bildern waren Rauchwolken über dem getroffenen Ort zu sehen. Israel hatte zuvor eine Warnung für sieben Stadtteile der libanesischen Hauptstadt ausgegeben.
F.Stadler--VB