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Mehr als 90 Verletzte bei Raketenangriffen nahe israelischer Atomanlage
Bei Raketenangriffen aus dem Iran sind in der Nähe der Atomanlage Dimona im Süden Israels am Samstag mehr als 90 Menschen verletzt worden. Die israelische Armee teilte mit, in der Stadt Dimona habe es einen "direkten Raketeneinschlag in ein Gebäude" gegeben. Der Rettungsdienst versorgte nach eigenen Angaben 33 Verletzte in Dimona und 59 Verletzte in der nahegelegenen Stadt Arad. Der Iran hatte Israel nach eigenen Angaben als Vergeltung für einen Angriff auf die Atomanlage Natans angegriffen.
Wie der israelische Rettungsdienst Magen David Adom mitteilte, behandelten seine Sanitäter in Dimona unter anderem einen zehn Jahre alten Jungen mit schweren und eine Frau mit mittelschweren Verletzungen. 31 Menschen wurden demnach durch Splitter oder auf dem Weg in die Schutzräume leicht verletzt. 14 weitere Menschen wurden zudem wegen eines Schocks versorgt.
Auf Bildern von AFPTV waren ein großer Krater und ein Trümmerhaufen zu sehen. Die Fenster und Fassaden umliegender Gebäude waren stark beschädigt. Der Rettungsdienst veröffentlichte ein Video, das ein brennendes Wohnhaus in der Stadt zeigt. Die Polizei veröffentlichte Bilder von Ermittlern in einem Gebäude, in dessen Wand ein großes Loch klafft.
Am Abend meldete die israelische Armee einen weiteren "direkten Treffer" in der Stadt Arad, die nördlich von Dimona liegt. Aufnahmen israelischer Medien zeigten stark beschädigte Gebäude. "Sowohl in Dimona als auch in Arad wurden Abfangraketen gestartet, die ihre Ziele verfehlten, was zu zwei direkten Treffern durch ballistische Raketen mit Sprengköpfen von mehreren hundert Kilogramm führte", erklärte die Feuerwehr. Drei Gebäude seien erheblich beschädigt worden, in einem Gebäude sei auch ein Brand ausgebrochen.
Der Rettungsdienst erklärte, in Arad seien 59 Menschen versorgt und mit dutzenden Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht worden. Sechs Menschen erlitten demnach schwere und 13 Menschen mittelschwere Verletzungen. Bei 40 Menschen wurden leichte Verletzungen festgestellt.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, Israel sei nach dem "sehr schwierigen Abend" entschlossen, seine "Feinde weiterhin an allen Fronten anzugreifen".
Die Atomanlage Dimona liegt außerhalb der gleichnamigen Stadt in der Negev-Wüste. Nach offizieller Darstellung handelt es sich um ein Kernforschungszentrum. Weithin wird aber angenommen, dass die Anlage auch der Herstellung von Atomwaffen dient. Israel hat den Besitz von Atomwaffen nie offiziell bestätigt, aber auch nie dementiert.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) rief nach den Angriffen zu "maximaler militärischer Zurückhaltung" auf. Sie erklärte im Onlinedienst X, sie habe Kenntnis von einem Raketeneinschlag in der israelischen Stadt Dimona, aber "keine Hinweise auf Schäden am Kernforschungszentrum Negev". Erhöhte Strahlungswerte wurden in der Region demnach nicht festgestellt.
Der Iran hatte zuvor US-israelische Angriffe auf die iranische Atomanlage Natans gemeldet. Das iranische Staatsfernsehen meldete, der Angriff auf Dimona sei eine "Reaktion" auf den Angriff auf Natans.
Israel flog nach eigenen Angaben am Samstag auch einen Angriff auf eine Einrichtung einer Teheraner Universität, die demnach Bauteile für Atomwaffen entwickelte. Die Malek-Aschtar-Universität unterstehe dem iranischen Verteidigungsministerium und unterliege wegen ihrer Beteiligung am iranischen Atom- und Raketenprogramm internationalen Sanktionen, erklärte die israelische Armee.
U.Maertens--VB