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Sechs Tote bei israelischem Angriff in Beirut - Teheran kündigt Vergeltung für Tötung Laridschanis an
In der libanesischen Hauptstadt Beirut sind erneut mehrere Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden. Die teilweise ohne Vorwarnung erfolgten Angriffe auf zwei Stadtteile im Zentrum Beiruts töteten mindestens sechs Menschen und verletzten 24 weitere, wie das libanesische Gesundheitsministerium am Mittwochmorgen mitteilte. Ein iranischer Raketenangriff nahe Tel Aviv tötete derweil nach Angaben israelischer Rettungskräfte zwei Menschen. Teheran kündigte Vergeltung für den bei einem israelischen Angriff getöteten mächtigen iranischen Sicherheitschef Ali Laridschani an.
Der libanesischen staatlichen Nachrichtenagentur NNA zufolge traf ein israelischer Angriff eine Wohnung in Sukak al-Blat, wo die israelische Armee vergangene Woche eine Filiale des Hisbollah-nahen Finanzunternehmens Al-Kard Al-Hassan attackiert hatte. Zwei weitere israelische Angriffe trafen demnach zwei Wohnungen in dem Viertel Basta, das die israelische Armee während des Krieges mit der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Jahr 2024 angegriffen hatte.
Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP beobachtete Ersthelfer am Einsatzort in Basta, wo die Wände von Wohnungen auf zwei benachbarten Etagen offenbar weggesprengt worden waren.
Später rief die israelische Armee die Bewohner des zentralen Beiruter Viertels Baschura zur Evakuierung auf. Armeesprecher Avichay Adraee veröffentlichte in Onlinediensten eine Karte des Viertels mit einem Gebäude, dem Anwohner "zu ihrer eigenen Sicherheit" fernbleiben sollten. NNA berichtete später, das Gebäude sei getroffen worden. AFP-Korrespondenten berichteten von einem Knall. Die israelische Armee rief zudem zur Evakuierung von vier Dörfern im Südlibanon auf.
In Israel stieg die Zahl der Todesopfer durch Raketenangriffe seit Beginn des Iran-Krieges nach dem jüngsten Angriff nahe Tel Aviv auf 14 an. Polizeisprecher Dean Elsdunne erklärte, bei einem iranischen Raketenangriff auf ein Wohngebäude in Ramat Gan außerhalb von Tel Aviv sei Streumunition zum Einsatz gekommen. Diese habe das Dach des Gebäudes zum Einsturz gebracht. Ein älteres Ehepaar, das nicht in den Schutzraum gegangen war, sei dabei getötet worden.
Streumunition gilt als besonders verheerend: Eine Streubombe kann hunderte kleinerer Bomben freisetzen, die oft größere Gegenden zerstören können. Israel und der Iran werfen sich gegenseitig den Einsatz von Streubomben vor.
In mehreren Teilen im Zentrum von Israel kam es zu Angriffen. In Bnei Brak, einer weiteren Stadt nahe Tel Aviv, wurde ein Mann Rettungsdiensten zufolge durch Splitter leicht verletzt. Bombenentschärfungs-Teams befanden sich der Polizei zufolge an mehreren Einschlagsorten im Gebiet Tel Aviv im Einsatz.
Das israelische Eisenbahnunternehmen stellte wegen Schäden an den Bahnsteigen des Bahnhofs von Tel Aviv durch Splitter vorübergehend den Betrieb ein. Am Morgen wurden die meisten Zugverbindungen wieder aufgenommen.
Die iranische Armee kündigte unterdessen Vergeltung für die Tötung von Laridschani an. "Irans Antwort auf die Ermordung des Vorsitzenden des Obersten Nationalen Sicherheitsrats wird entschlossen und bedauerlich sein", erklärte Armeechef Amir Hatami. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, als "Rache für das Blut des Märtyrers Dr. Ali Laridschani und seiner Gefährten" Raketen auf das Zentrum Israels gefeuert zu haben.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, die Folgen des Iran-Krieges würden weltweit zu spüren sein. "Die Welle globaler Auswirkungen hat gerade erst begonnen und wird alle treffen, unabhängig von Wohlstand, Glauben oder Herkunft", erklärte er im Onlinedienst X. Immer mehr Stimmen, darunter europäische und US-Vertreter, würden den Krieg gegen den Iran als "ungerecht" bezeichnen, erklärte Araghtschi. "Weitere Mitglieder der internationalen Gemeinschaft sollten diesem Beispiel folgen", forderte er.
Auch in den Golfstaaten kam es erneut zu Angriffen. Die Flugabwehr "reagiert auf die Bedrohungen durch Raketen und Drohnen aus dem Iran", teilten die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate mit, während Journalisten der Nachrichtenagentur AFP von mehreren lauten Explosionen in der emiratischen Metropole Dubai berichteten. Der australische Premierminister Anthony Albanese meldete zudem, dass ein iranisches Geschoss nahe dem australischen Armeehauptquartier in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingeschlagen sei. Bei dem Vorfall sei kein australisches Personal verletzt worden.
Das saudiarabische Verteidigungsministerium erklärte, die Armee habe insgesamt acht Drohnen zerstört. Zudem sei ein Marschflugkörper nahe des Luftwaffenstützpunktes Prince Sultan abgefangen worden, auf dem US-Armeeangehörige stationiert sind.
Die kuwaitische Armee teilte derweil im Onlinedienst X mit, ihre Luftabwehr fange "derzeit feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab". Das katarische Verteidigungsministerium erklärte, seine Streitkräfte hätten einen Raketenangriff auf das Land abgefangen. Ein AFP-Journalist in Doha hatte zuvor mehrere Knallgeräusche gehört.
Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA meldete unterdessen, das iranische Atomkraftwerk Buschehr sei von einem Geschoss getroffen worden. "Es wurden weder Schäden an der Anlage noch Verletzungen von Mitarbeitern gemeldet", erklärte die Behörde in Onlinediensten.
K.Hofmann--VB