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Taliban: Rund 400 Tote bei pakistanischem Angriff auf Entzugsklinik in Kabul
Bei einem pakistanischen Angriff auf eine Drogen-Entzugsklinik in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind nach Angaben der Taliban-Regierung rund 400 Menschen getötet worden. Mehr als 200 weitere Insassen seien bei dem Angriff am Montagabend verletzt worden, erklärte das Gesundheitsministerium am Dienstag. Die Vereinten Nationen forderten eine unabhängige Untersuchung. Pakistan wies den Vorwurf zurück, die Klinik gezielt angegriffen zu haben.
Die Angaben der Taliban zu den Opferzahlen ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP sahen, wie mindestens 85 Leichen aus den Trümmern geborgen wurden. Das Taliban-Innenministerium gab die Zahl der Todesopfer mit 408 an, 265 weitere Menschen wurden demnach verletzt. Die Such- und Rettungsarbeiten dauerten am Dienstag an.
In der Klinik wurden Drogensüchtige aus dem ganzen Land behandelt, nach Angaben eines Arztes verfügte sie über rund 2000 Betten. Ein Sicherheitsmann der Klinik schilderte AFP, vor dem Angriff habe er einen Kampfjet gehört. Als Militäreinheiten rund um die Klinik auf das Kampfflugzeug geschossen hätten, "warf der Jet Bomben auf uns ab und ein Feuer brach aus".
Die Taliban warfen Pakistan vor, die Klinik gezielt angegriffen und damit gegen die Genfer Konventionen und das Völkerrecht verstoßen zu haben. Der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar wies den Vorwurf als "vollständig unbegründet" zurück. "Kein Krankenhaus, keine Drogen-Entzugsklinik und keine zivile Einrichtung" sei ins Visier genommen worden, erklärte er im Onlinedienst X. Die pakistanische Armee habe vielmehr "militärische und terroristische Infrastruktur" angegriffen, darunter Munitionslager und andere Ziele, "die mit feindlichen Aktivitäten gegen Pakistan in Verbindung stehen".
Ein Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros forderte eine rasche und unabhängige Untersuchung des Vorfalls. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.
Der UN-Sonderberichterstatter zur Lage der Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, zeigte sich "bestürzt" über die Berichte über Luftangriffe und zivile Opfer und rief die Konfliktparteien zu "äußerster Zurückhaltung" auf. Dazu zähle der "Schutz der Zivilbevölkerung und ziviler Objekte wie Krankenhäuser", erklärte er im Onlinedienst X.
Die EU-Kommission verurteilte den Angriff als "neue Eskalation" im Konflikt zwischen den beiden Nachbarstaaten. Ein Sprecher forderte eine sofortige Waffenruhe. "Zivile und medizinische Einrichtungen dürfen niemals ins Visier genommen werden", betonte er.
Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan war Ende Februar erneut eskaliert. Islamabad wirft Kabul vor, bewaffneten extremistischen Gruppen Unterschlupf zu gewähren, die immer wieder Anschläge in Pakistan verüben. Kabul weist das zurück. Nach Angaben der UN-Unterstützungsmission in Afghanistan (Unama) wurden in dem Konflikt zwischen dem 26. Februar und Montag - vor dem Angriff - mindestens 76 Zivilisten getötet.
Bereits im Oktober waren bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet worden. Die beiden Nachbarländer vereinbarten unter Vermittlung Katars und der Türkei zwar eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.
O.Schlaepfer--VB