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Israelische Soldaten binden verletzten Palästinenser an Militärfahrzeug fest
Israelische Soldaten haben im Westjordanland einen verletzten Palästinenser an der Motorhaube eines Militärfahrzeugs festgebunden. Der bei einem "Anti-Terror-Einsatz" in der Nähe von Dschenin festgenommene Verdächtige sei unter "Verletzung von Befehlen und geltenden Regeln" festgenommen worden, erklärte die israelische Armee am Sonntag. Der Vorfall werde "untersucht und entsprechend gehandhabt".
Aufnahmen des Vorfalls vom Samstag waren zuvor im Internet verbreitet worden. In dem Video war ein Mann zu sehen, der horizontal auf der Motorhaube eines Militärjeeps festgeschnallt war, während dieser durch eine enge Straße fuhr. "Das Verhalten der Streitkräfte in dem Video entspricht nicht den Werten der IDF (Armee)", betonte die Armee. Während des Einsatzes sei es zu Schusswechseln zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Kämpfern gekommen.
Was dem Mann vorgeworfen wurde, blieb unklar. Er sei später zur Behandlung an den palästinensischen Roten Halbmond übergeben worden, teilte die israelische Armee weiter mit. Sanitäter identifizierten ihn als den 24-jährigen Mudschahid Raed Abbadi aus der Flüchtlingsstadt Dschenin. Er wurde im Ibn Sina Krankenhaus in Dschenin behandelt, wie dort tätige Ärzte bestätigten.
Im Krankenhaus sagte Abbadi, er sei durch Schüsse an der Hand und am Bein verletzt worden, als er das Haus seines Onkels in der Stadt Burkin im Westen Dschenins verlassen habe. Danach habe er mehr als zwei Stunden hinter einem israelischen Militärfahrzeug gelegen, ohne dass Rettungskräfte oder Sanitäter ihn hätten erreichen können.
Nachdem israelische Soldaten auf ihn aufmerksam geworden seien, hätten sie ihn getreten, ins Gesicht geschlagen sowie auf sein verletztes Bein und seine Hand, sagte Abbadi. Die Soldaten hätten ihn zunächst "zu Boden geworfen" und dann auf die Motorhaube des Jeeps gebunden. Ein behandelnder Arzt sagte, der 24-Jährige habe durch die Hitze der Motorhaube am gesamten Rücken Brandwunden erlitten.
Dschenin ist seit langem eine Hochburg militanter palästinensischer Gruppen, darunter die Hamas und der Islamische Dschihad. Dort und in der gleichnamigen Flüchtlingssiedlung finden regelmäßig Razzien israelischer Sicherheitskräfte statt.
Im von Israel besetzten Westjordanland ist die Gewalt seit dem Beginn des Krieges im Gazastreifen gegen die radikalislamische Hamas weiter eskaliert. Seit dem Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober vergangenen Jahres wurden nach palästinensischen Angaben im Westjordanland mindestens 553 Palästinenser durch israelische Soldaten oder extremistische Siedler getötet. Mindestens 14 Israelis wurden nach israelischen Angaben bei Angriffen radikaler Palästinenser getötet.
I.Stoeckli--VB