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Israels Armee kündigt tägliche Kampfpause zugunsten von Hilfslieferungen an
Die israelische Armee will im Süden des Gazastreifens bis auf Weiteres tagsüber eine "taktische Pause der militärischen Aktivität" einhalten. Die örtlich begrenzte Pause solle die Auslieferung einer größeren Menge an Hilfsgütern ermöglichen, kündigte die Armee am Sonntag an. Am Vortag waren zehn Soldaten bei Einsätzen in dem Palästinensergebiet getötet worden.
Die Pause solle jeweils von 08.00 bis 19.00 Uhr (Ortszeit, 07.00 bis 18.Uhr MESZ) gelten, teilte das Militär weiter mit. Sie betreffe den Weg, der vom Grenzübergang Kerem Schalom bis zur Salah-al-Din-Straße und dann weiter in den Norden führe. Eine von der Armee veröffentlichte Landkarte zeigte die humanitäre Route, die sich bis zum Europäischen Krankenhaus in der Stadt Rafah erstreckt. Die Klinik liegt etwa zehn Kilometer von Kerem Schalom entfernt.
Die Entscheidung sei infolge von Beratungen mit den Vereinten Nationen und anderen Organisationen getroffen worden, hieß es weiter. Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, kritisierte die angekündigte humanitäre Pause als Teil eines "verrückten und wahnhaften Ansatzes".
Die UNO begrüßte den Schritt Israels. Dies habe aber bislang nicht dazu geführt, dass mehr Hilfe die Menschen in Not erreiche, schrieb Jens Laerke, Sprecher des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha), in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP. "Wir hoffen, dass dies zu weiteren konkreten Maßnahmen seitens Israels führt, um die seit langem bestehenden Probleme anzugehen, die eine sinnvolle humanitäre Hilfe in Gaza verhindern."
Die humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet ist katastrophal, Hilfsorganisationen weisen seit Monaten auf einen Mangel an Lebensmitteln und anderen wichtigen Waren hin. Tausende Menschen haben nicht genug Trinkwasser und Essen, zahlreiche Kinder leiden an akuter Mangelernährung.
Die Nachricht von der "Pause" kam am ersten Tag des islamischen Opferfestes Eid al-Adha. "Dieses Eid ist völlig anders", sagte Umm Mohammed al-Katri in der Flüchtlingssiedlung Dschabalija im Norden des Gazastreifens. "Wir haben viele Menschen verloren, es gibt viel Zerstörung. Wir haben nicht die Freude, die wir sonst haben."
Der Gaza-Krieg war durch den Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober ausgelöst worden, bei dem islamistische Kämpfer laut israelischen Angaben 1194 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt hatten.
Als Reaktion geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, wurden dabei bislang mehr als 37.300 Menschen getötet.
AFP-Korrespondenten im Gazastreifen berichteten, dass es am Sonntagmorgen keine Meldungen über Angriffe, Beschuss oder Gefechte gegeben habe. Das israelische Militär erklärte aber, es gebe "keine Einstellung der Kampfhandlungen im südlichen Gazastreifen".
Einen Tag zuvor waren im Süden des Gazastreifens acht israelische Soldaten getötet worden. Sie starben starben nach Armeeangaben, als ihr gepanzertes Fahrzeug in der Nähe von Rafah explodierte, wo heftig gekämpft wird. Militärsprecher Daniel Hagari sagte, dass die Explosion "offenbar von einem in der Gegend platzierten Sprengsatz oder von einer Panzerabwehrrakete" verursacht worden sei.
Bei einem anderen Einsatz im Norden des Gazastreifens wurden zwei weitere Soldaten getötet. Es war eine der höchsten Opferzahlen für die israelische Armee an einem Tag seit Beginn des Krieges gegen die Hamas. Zudem erlag ein Soldat seinen Verletzungen, die er sich zuvor zugezogen hatte. Seit dem Einmarsch israelischer Bodentruppen in den Gazastreifen am 27. Oktober wurden offiziellen Angaben zufolge 309 israelische Soldaten getötet.
Netanjahu will die israelischen Truppen erst aus dem Gazastreifen abziehen, wenn die Hamas komplett zerstört ist. Besonders Israels massives Vorgehen in Rafah, wohin unzählige Palästinenser aus anderen Regionen des Gazastreifens geflüchtet waren, wird international stark kritisiert.
Das Vorgehen der israelischen Regierung zweifeln aber auch im Land immer mehr Menschen an. Am Samstag demonstrierten erneut tausende Menschen gegen Netanjahu und seine Gaza-Politik. Sie forderten in Tel Aviv Neuwahlen, stärkere Anstrengungen für die Freilassung der von der Hamas entführten Geiseln sowie ein Ende des Militäreinsatzes im Gazastreifen.
Die israelische Armee lieferte sich am Samstag zudem erneute Gefechte mit der libanesischen Hisbollah-Miliz. Dabei griff die Hisbollah über die Grenze hinweg nach eigenen Angaben unter anderem den israelischen Militärstützpunkt Meron mit "Lenkraketen" an und feuerte "Angriffsdrohnen" auf einen weiteren israelischen Stützpunkt ab. Die israelische Armee bestätigte den Abschuss von zwei Geschossen auf die Militäranlage in Meron, die weder Opfer noch Schäden verursacht habe.
S.Spengler--VB