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Trump-Anwalt im Schweigegeldprozess attackiert Schlüsselzeugen Cohen als Lügner
Im historischen New Yorker Schweigegeldprozess gegen Donald Trump hat die Verteidigung des früheren US-Präsidenten mit einer aggressiven Befragung des Schlüsselzeugen Michael Cohen dessen Glaubwürdigkeit zu zerstören versucht. Verteidiger Todd Blanche nahm den vom Trump-Intimus zum Trump-Feind gewandelten Cohen am Donnerstag in seinem Kreuzverhör in die Mangel und suchte diesen als chronischen Lügner darzustellen, der von Rachegelüsten gegen seinen früheren Chef angetrieben sei.
Es war der dritte Tag der Aussage des vormaligen Trump-Anwalts und der zweite Tag seiner Befragung durch die Verteidigung. Cohen, der als der wichtigste Zeuge der Anklage gilt, hatte am Montag berichtet, dass er das Schweigegeld an die frühere Pornodarstellerin Stormy Daniels kurz vor der Wahl 2016 mit dem Einverständnis Trumps gezahlt habe. Im ersten Strafprozess der Geschichte gegen einen früheren US-Präsidenten wird Trump vorgeworfen, das Schweigegeld per Fälschung von Geschäftsdokumenten vertuscht zu haben.
Am Donnerstag wollte Trumps Verteidiger - gestützt auf die Daten eines Telefonats - nachweisen, dass Blanche mit einer Äußerung gelogen habe, wonach er Trump im Oktober 2006 informiert hatte, die Angelegenheit mit Stormy Daniels sei erledigt. "Das war eine Lüge. Geben Sie das zu!", sagte Blanche mit scharfer Stimme.
Cohen blieb jedoch bei seiner Version. "Nein, Sir", konterte er die Aufforderung des Verteidigers. "Das kann ich nicht." Der frühere Trump-Getreue ist während seiner bislang dreitägigen Aussage überwiegend ruhig und kontrolliert geblieben, auch wenn ihm ein hitziges Temperament nachgesagt wird.
Blanche verstärkte am Donnerstag seine Anstrengungen, Cohen als chronischen Lügner zu porträtieren. Er ging dazu detailliert auf Cohens frühere Lügen unter Eid bei Aussagen im US-Kongress im Jahr 2017. Er habe akzeptiert, dafür die "Verantwortung zu übernehmen", entgegnete der Zeuge.
Cohen hatte sich der Falschaussagen sowie anderer Delikte schuldig bekannt und war 2018 zu dreijähriger Haft verurteilt worden. Die Strafe verbüßte er teils im Gefängnis, teils unter Hausarrest. Ein Teil der Delikte, die ihm die Haftstrafe einbrachten, bezog sich auf das Schweigegeld für Stormy Daniels, das in Cohens Verurteilung als illegale Wahlkampffinanzierung eingestuft worden war.
Cohen hatte zehn Jahre lang für Trump gearbeitet und galt als dessen Ausputzer, also Spezialist für die Lösung besonders kniffliger Probleme. Blanche versuchte am Donnerstag seinen Vorwurf zu untermauern, dass Cohen sich an Trump rächen wolle. Dessen Ego sei verletzt gewesen, weil Trump ihn nach seinem Wahlsieg 2016 nicht ins Regierungsteam berufen habe.
Die Verteidigung will die Befragung des 57-jährigen früheren Trump-Anwalts am Montag fortsetzen. Am Freitag war in dem Prozess ausnahmsweise Verhandlungspause, da es Richter Juan Merchan dem Angeklagten erlaubt hatte, an diesem Tag an der Schulabschlussfeier seines 18-jährigen Sohnes Barron teilzunehmen.
Merchan teilte den Prozessparteien mit, dass bereits am Dienstag möglicherweise die Abschlussplädoyers beginnen könnten. Cohen ist der voraussichtlich letzte Zeuge der Anklage, die Verteidigung will nach eigenen Angaben nach derzeitigem Stand nur einen Zeugen aufrufen, einen Experten für Wahlkampffinanzierungsrecht.
In dem Prozess hatte in der vergangenen Woche auch Stormy Daniels ausgesagt, die detailreich ihre angebliche Sexaffäre mit Trump im Jahr 2006 geschildert hatte. Durch die von Cohen getätigte Schweigegeldzahlung von 130.000 Dollar (nach heutigem Wert etwa 120.000 Euro) war sie vor der Wahl 2016 dazu gebracht worden, mit ihrer Sex-Geschichte nicht an die Öffentlichkeit zu gehen.
Das Geld bekam Cohen laut der Anklage später von Trump in elf Tranchen erstattet, als dieser bereits Präsident war. Die Erstattungen an Cohen wurden demnach fälschlich als Anwaltskosten deklariert. Die Staatsanwaltschaft versucht nachzuweisen, dass es sich dabei nicht nur um Dokumentenfälschung gehandelt habe, sondern auch um eine illegale Wahlmanipulation.
Er habe das Schweigegeld überwiesen, um sicherzustellen, dass Stormy Daniels' Geschichte nicht Trumps Chancen auf die Präsidentschaft "beeinträchtigt", sagte Cohen am Dienstag aus. Trump droht in dem Prozess eine Haftstrafe, die Experten aber eher für unwahrscheinlich halten. Sie gehen von einer Bewährungs- oder Geldstrafe aus.
Trump dürfte auch bei seiner Verurteilung erneut für das Präsidentenamt kandidieren. Der Rechtspopulist will bei der Wahl im November gegen seinen Amtsnachfolger Joe Biden antreten.
C.Stoecklin--VB