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Ukrainischer Regierungschef: Verteidiger von Mariupol werden "bis zum Ende kämpfen"
Die verbliebenen ukrainischen Kämpfer in Mariupol werden sich nach Angaben der Regierung in Kiew auch nach Ablauf eines russischen Ultimatums nicht ergeben. Die letzten Verteidiger der strategisch wichtigen Hafenstadt "werden bis zum Ende kämpfen", sagte Regierungschef Denys Schmyhal am Sonntag dem US-Fernsehsender ABC. Russland hatte den ukrainischen Kämpfern eine Frist bis Sonntagmittag gestellt, um ihre Waffen niederzulegen und die Stadt zu verlassen.
Mariupol sei "immer noch nicht gefallen", betonte Schmyhal. "Unsere Streitkräfte, unsere Soldaten sind noch immer dort. Sie werden bis zum Ende kämpfen."
Schmyhal betonte, dass seine Regierung eine diplomatische Lösung des Konflikts anstrebe, wenn dies "möglich" sei. "Wenn die Russen keine Verhandlungen wollen, werden wir bis zum Ende kämpfen, absolut. Wir werden nicht kapitulieren", fügte er hinzu. "Wir werden unser Land, unsere Familien, unseren Boden nicht verlassen."
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Samstag vor einem endgültigen Aus der Verhandlungen mit Russland gewarnt, sollten die verbliebenen ukrainischen Kämpfer in Mariupol getötet werden. Schon zuvor hatte Kreml-Chef Wladimir Putin erklärt, die Gespräche steckten in einer "Sackgasse".
Angesprochen auf Berichte, wonach Putin mit einem russischen Sieg im Ukraine-Krieg rechnet, verwies Schmyhal am Sonntag auf Erfolge der ukrainischen Armee in den vergangenen Wochen. Mit Ausnahme der südukrainischen Stadt Cherson sei der russischen Armee die Eroberung keiner einzigen Stadt gelungen, betonte er.
Die Einnahme Mariupols durch die russische Armee würde allerdings sowohl symbolisch als auch strategisch eine schwere Niederlage für die Ukraine bedeuten. Eine Eroberung der Hafenstadt würde Russland helfen, eine direkte Landverbindung zur annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim zu schaffen.
Mariupol wird seit den ersten Tagen nach dem russischen Einmarschs am 24. Februar belagert. Inzwischen ist die einst über 400.000 Einwohner zählende Stadt im Südosten weitgehend zerstört, die humanitäre Lage ist katastrophal. Mehr als 100.000 Zivilisten in der Stadt sind nach Angaben des Welternährungsprogramms akut von Hunger bedroht.
Die russische Armee hatte zuletzt erklärt, die Kontrolle über Mariupol übernommen zu haben. Etwa 400 ukrainische Kämpfer befanden sich demnach zuletzt aber noch in den Stahlwerken der Hafenstadt.
Schmyhal rief den Westen erneut auf, sein Land mit mehr Waffen und Munition sowie mit weiteren Finanzhilfen zu unterstützen. Der Ukraine drohe derzeit ein monatliches Haushaltsdefizit von fünf Millionen Dollar (4,62 Millionen Euro), sagte der Regierungschef. Beim Frühjahrstreffen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der kommenden Woche in Washington wollen ukrainische Vertreter laut Schmyhal den Bedarf Kiews unterstreichen.
A.Gasser--BTB