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Ukraine wirft russischer Armee Schüsse auf Demonstranten in Cherson vor
Die russische Armee hat nach ukrainischen Angaben in der von ihr besetzten Stadt Cherson auf Demonstranten geschossen. "In Cherson schossen die Besatzer auf Menschen, die friedlich, ohne Waffen, hinausgegangen waren, um zu protestieren. Für die Freiheit - für unsere Freiheit", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem in der Nacht zum Dienstag veröffentlichten Video.
Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba erklärte auf Twitter: "Dies ist das hässliche Gesicht Russlands, eine Schande für die Menschheit." Er nannte die russischen Soldaten "Kriegsverbrecher".
Kuleba veröffentlichte zu seinem Tweet ein Video, auf dem ein älterer Mann, der ein Armband in den Farben der ukrainischen Nationalflagge trägt, mit Schusswunden zu sehen ist. Andere Menschen eilen dem Mann zur Hilfe. Auf dem Boden ist Blut zu sehen, während im Hintergrund ununterbrochen Schüsse zu hören sind.
Weitere Videoaufnahmen, die von lokalen Medien verbreitet wurden, zeigten, wie Demonstranten in den Farben der Ukraine, gelb und blau, in die Mitte des Freiheitsplatzes von Cherson marschierten und "Ruhm für die Ukraine!" sowie "Geht nach Hause" in Richtung der russischen Soldaten skandierten. In dem Moment eröffneten Soldaten das Feuer. Dutzende Demonstranten ergriffen daraufhin die Flucht. Es war jedoch nicht zu sehen, ob die Soldaten direkt auf Menschen zielten und ob es Opfer gab.
Ein Vertreter der Regionalregierung von Cherson, Jurij Sobolewsky, berichtete auf seiner Facebook-Seite, dass die russischen Streitkräfte die Menge mit "Schüssen in die Luft" und unter Einsatz von "Gas, Leuchtraketen und Blendgranaten" auseinandergetrieben hätten. Dabei habe es mehrere "Opfer" gegeben.
Auch er verwies auf ähnliche Aufnahmen wie das von Kuleba geteilte Video des verletzten älteren Demonstranten. "Der Rentner wurde schwer am Bein verletzt, er hat viel Blut verloren", erklärte Sobolewsky. Der Mann kam demnach ins Krankenhaus. "Die Demonstranten haben sich trotzdem nicht aufgelöst", berichtete er. "Und morgen werden sie sich wieder versammeln."
Außenminister Kuleba forderte angesichts der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in Cherson weitere Sanktionen gegen Russland. "Wir müssen Russland stoppen! Sanktioniert sie, isoliert sie, zieht Kriegsverbrecher zur Rechenschaft", schrieb er an den Westen gerichtet.
Das nahe der von Russland annektierten Halbinsel Krim gelegene Cherson war als erste Großstadt der Ukraine nach dreitägiger Belagerung Anfang März von der russischen Armee eingenommen worden. Seit der Einnahme der Stadt gibt es in Cherson regelmäßig Proteste gegen die russischen Besatzer. Ukrainische Medien warfen der russischen Armee bereits mehrfach vor, auf Demonstranten geschossen zu haben.
K.Thomson--BTB