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Russland bombardiert Ziel in der Nähe des Flughafens von Lwiw in der Westukraine
Moskau hat die landesweite Bombardierung der Ukraine forgesetzt und erneut ein Ziel in der westukrainischen Stadt Lwiw nahe der Grenze zu Polen angegriffen. "Mehrere Raketen schlugen in einer Fabrik ein, in der Flugzeuge repariert werden", schrieb der Bürgermeister Andrij Sadowyj am Freitagmorgen auf Facebook. Unterdessen teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit, dass seine Truppen ins Stadtzentrum der belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten vorgedrungen seien und dort gemeinsam mit ihren separatistischen Verbündeten kämpften.
Über dem angegriffenen Gebiet in der Nähe des Flughafens von Lwiw stieg eine dichte Rauchwolke auf. Zeugen berichteten von einer heftigen Explosion. Rettungskräfte seien im Einsatz, erklärte Bürgermeister Sadowyj. Lwiw ist Zufluchtsort und Durchgangsstation für hunderttausende Flüchtlinge aus dem Rest der Ukraine, auch viele westliche Diplomaten gingen von der Hauptstadt Kiew nach Lwiw.
Das Gebäude der Flugzeugwerkstatt bei Lwiw wurde dem Bürgermeister zufolge durch den Beschuss zerstört. Opfer gebe es bislang keine, der Betrieb sei zuvor bereits eingestellt worden.
Wie die ukrainische Luftwaffe erklärte, wurde die Gegend nach vorläufigen Informationen von vier russischen Marschflugkörpern getroffen, die aus mehreren hundert Kilometern Entfernung vom Schwarzen Meer aus abgefeuert worden waren. Zwei weitere russische Raketen seien von der ukrainischen Luftabwehr abgeschossen worden, bevor sie ihr Ziel erreichten.
Die Großstadt Lwiw (Lemberg) blieb bislang weitestgehend von den Kämpfen verschont. Die russische Armee hatte jedoch am Sonntag einen ukrainischen Militärstützpunkt in der Gegend nahe der Grenze zu Polen bombardiert, was den Krieg gefährlich nahe an die Nato sowie die EU heranführte.
Da die seit drei Wochen andauernde Ukraine-Offensive des russischen Staatschefs Wladimir Putin aufgrund des massiven ukrainischen Widerstands ins Stocken geraten ist, setzt Moskau zunehmend auf Luftangriffe, um die Oberhand zu gewinnen. Nach Schätzungen des US-Verteidigungsministeriums hat Russland seit Beginn des Krieges über 1000 Raketen auf ukrainische Ziele abgefeuert. Noch vor Tagesanbruch heulten auch am Freitag in Städten im ganzen Land die Alarmsirenen.
Die russische Armee setzte auch ihre Angriffe auf die belagerte Hafenstadt Mariupol im Südosten fort. Die Streitkräfte rückten zusammen mit ihren separatistischen Verbündeten aus der von Moskau anerkannten "Volksrepublik" Donezk ins Stadtzentrum vor und "bekämpfen die Nationalisten im Zentrum der Stadt", wie der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, mitteilte.
Im eingekesselten Mariupol bleibt die humanitäre Lage katastrophal. Die Menschen können die Stadt nicht verlassen, auch weil die Einrichtung von Fluchtkorridoren immer wieder scheitert.
Derweil ist die Zahl der Opfer nach dem Bombardement eines als Schutzort genutzten Theaters immer noch unklar. Der Bombenschutzkeller des Gebäudes habe den Beschuss überstanden und einige "Erwachsene und Kinder" seien lebend hinausgekommen, erklärte die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Ljudmila Denisowa, am Freitag. Die Arbeiten, um den Zugang zu dem Keller freizubekommen, dauerten demnach an. Schätzungen zufolge hatten etwa tausend Menschen in dem Theaterkeller Schutz gesucht.
Der ukrainische Abgeordnete Sergiy Taruta erklärte, Russlands Blockade der Stadt behindere die Rettungsbemühungen. Zwar hätten es einige Menschen aus dem zerstörten Theater hinaus geschafft. Aber die anderen, "die das Bombardement überlebt haben, werden unter den Trümmern des Theaters sterben, oder sind schon tot".
Nach ukrainischen Angaben hatte Russland das Theater in Mariupol am Mittwoch bombardiert, obwohl vor beiden Seiten des Gebäudes gut sichtbar das Wort "Kinder" auf Russisch auf den Boden geschrieben worden war. Russland wies den Vorwurf zurück, den Angriff verübt zu haben, und machte wie schon nach den Angriffen auf eine Geburtsklinik in Mariupol vergangene Woche die nationalistische ukrainische Asow-Brigade verantwortlich.
Nach Behördenangaben starben in Mariupol bereits mehr als 2000 Menschen seit dem Beginn der russischen Ukraine-Invasion am 24. Februar. "In den Straßen liegen die Leichen vieler toter Zivilisten", sagte die 58-jährige Tamara Kawunenko der Nachrichtenagentur AFP nach ihrer Flucht aus Mariupol. "Das ist nicht mehr Mariupol. Das ist die Hölle."
E.Schubert--BTB