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Weltweit protestieren Frauen für ihre Rechte
Von Barcelona über Berlin bis Bangkok sind Frauen in aller Welt zum Internationalen Frauentag für ihre Rechte auf die Straßen gegangen. In Pakistan demonstrierten am Mittwoch Tausende, selbst in der afghanischen Hauptstadt Kabul versammelten sich rund 20 Frauen. Das Auswärtige Amt forderte gemeinsam mit fast zwei Dutzend anderen Ländern von den machthabenden Taliban, "alle Entscheidungen (...) rückgängig zu machen, die die Ausübung der Menschenrechte und Grundfreiheiten von Frauen und Mädchen einschränken."
In Pakistan mussten Frauen in mehreren Städten gerichtlich die Möglichkeit erkämpfen, am Mittwoch auf die Straße gehen zu dürfen. In der Millionenmetropole Lahore versammelten sich trotz eines Verbots rund 2000 Frauen. "Wir werden nicht mehr schweigend dasitzen", sagte die Lehrerin Rabail Achtar. "Das ist unser Tag, das ist unsere Stunde."
Protestmärsche und Aktionen waren im Laufe des Nachmittags und Abends auch in zahlreichen europäischen Ländern geplant, darunter in Spanien sowie allein in 150 Städten und Gemeinden in Frankreich. In Barcelona gingen tausende Studentinnen auf die Straße und trugen Plakate mit Sprüchen wie "Feminismus bedeutet Kämpfen". In der Türkei, wo am Mittwoch nach Angaben von Lokalmedien drei Frauen getötet wurden, war trotz eines Verbots eine Demonstration auf dem Taksim-Platz geplant.
In Berlin nahmen nach Angaben des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung mehr als 10.000 Menschen an einer Demonstration der Gewerkschaften GEW und Verdi sowie einer anschließenden Kundgebung teil. Die Polizei gab auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP an, bis zu 6700 Teilnehmerinnen beim Protestzug gezählt zu haben.
Die Vereinten Nationen befassen sich derzeit mit Frauenrechtsverletzungen in Afghanistan, dem Iran und vielen anderen Ländern in einer zweiwöchigen Sitzung der UN-Frauenrechtskommission. Zum Auftakt hatte UN-Generalsekretär António Guterres am Montag beklagt, eine echte Gleichstellung von Frauen und Männern sei "noch 300 Jahre entfernt".
Sorge bereitet insbesondere die Lage in Afghanistan, wo die Taliban seit August 2021 Frauen und Mädchen wieder weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt haben. Würden die zahlreichen "verwerflichen Maßnahmen" der Taliban nicht rückgängig gemacht, hätten sie "verheerende und nicht wieder gutzumachende" Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft Afghanistans, warnten Deutschland und eine Gruppe weiterer Länder sowie der EU-Außenbeauftragte.
Die EU verhängte am Dienstag erstmals gezielt Sanktionen wegen Gewalt gegen Frauen, die sich unter anderem gegen die Taliban richten. Die britische Regierung verkündete ihrerseits ebenfalls Strafmaßnahmen gegen mumaßlich für geschlechtsspezifische Gewalt im Iran, in Syrien, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik Verantwortliche.
Im benachbarten Irland teilte die Regierung mit, dass die Bevölkerung in einem Referendum im November über mehrere Artikel der Verfassung abstimmen werde. Es handelt sich dabei um Passagen zur Stellung der Frau, deren Platz demnach "zu Hause" ist - Überreste einer anderen Epoche unter dem Einfluss der katholischen Kirche. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte indes an, die "Freiheit", sich für einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden, in die Verfassung aufnehmen.
Die Bundesregierung wies zum Internationalen Frauentag auf die Aufstockung ihrer Mittel für die internationale Frauenförderung hin. Das Entwicklungsministerium teilte mit, es sei den Vereinten Nationen für 2023 ein Beitrag von 26 Millionen Euro für deren Frauenorganisation UN Women zugesagt worden, fast doppelt so viel wie vor zwei Jahren. Dies sei "gut investiertes Geld", erklärte Ressortchefin Svenja Schulze (SPD). Mit dem Geld sollen demnach vor allem Vorhaben finanziert werden, die der Gleichstellung der Geschlechter dienen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm den 8. März zum Anlass, die Frauen zu ehren, "die für die Ukraine arbeiten, lehren, studieren, retten, pflegen und kämpfen". Er erinnerte auch an diejenigen, die seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor rund einem Jahr "ihr Leben geopfert haben". Kreml-Chef Wladimir Putin würdigte seinerseits die Frauen, die "ihre Pflicht erfüllen", insbesondere im militärischen Bereich.
In den USA waren vor allem Kundgebungen zur Verteidigung des Rechts auf Abtreibungen geplant. In anderen Staaten Nord- und Südamerikas richten sich die Demonstrationen gegen die grassierende Gewalt gegen Frauen und die zunehmende Zahl von Femiziden, also Tötungen von Frauen vor dem Hintergrund von Besitz- und Machtfantasien des Partners oder Ex-Partners. Aktivistinnen in Kuba riefen zu einer "virtuellen Kundgebung" in den Onlinenetzwerken auf, um auf die Frauenmorde aufmerksam zu machen.
W.Lapointe--BTB