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Schwere Ausschreitungen im Westjordanland nach Tötung zweier Israelis
Nach der Tötung zweier israelischer Siedler ist es am Sonntagabend im Westjordanland zu schweren gewalttätigen Konfrontationen gekommen. Dabei wurde ein 37-jähriger Palästinenser in dem Dorf Saatara nahe der Stadt Nablus erschossen, wie das palästinensische Gesundheitsministerium mitteilte. Israelische Medien berichteten von Zusammenstößen zwischen israelischen Siedlern, die Rache suchten, mit Palästinensern nahe dem Ort Huwara.
Die zwei jungen israelischen Siedler waren zuvor am Sonntag in Huwara an einem Kontrollpunkt in ihrem Auto durch Schüsse verletzt worden. Sie starben später im Krankenhaus an ihren Verletzungen. Die israelische Regierung sprach von einem "terroristischen palästinensischen Angriff".
Bei den anschließenden Ausschreitungen steckten laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa israelische Siedler mehrere Häuser von Palästinensern in Brand. Die israelische Armee teilte mit, sie habe dutzende Palästinenser aus ihren von Flammen bedrohten Häusern fortgebracht.
Das Palästinensische Rote Kreuz behandelte nach eigenen Angaben 98 Menschen. Die meisten von ihnen hatten demnach Tränengas eingeatmet. Der israelische Rettungsdienst teilte mit, drei Israelis seien durch Steinwürfe verletzt worden.
Der Augenzeuge Abdullah Al-Huwari berichtete, dass "große Zahlen von Siedlern" den Ort Huwara angegriffen und dabei Häuser und Autos in Brand gesetzt hätten. "Ich sehe Flammen vor mir", sagte der 36-jährige während der Ausschreitungen. "Wohin ich schaue, sehe ich die Flammen eines brennenden Hauses".
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief in einem Video zur Ruhe auf: "Selbst wenn das Blut kocht", dürfe niemand "das Gesetz in die eigenen Hände nehmen". Der israelische Präsident Isaac Herzog verurteilte die Racheakte scharf. "Das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen, zu randalieren und Gewaltakte gegen Unschuldige zu begehen - das ist nicht unsere Art", sagte er.
Zuvor hatten Netanjahu und Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir erklärt, die beiden israelischen Siedler seien bei einem "terroristischen palästinensischen Angriff" getötet worden. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand. Die militante Palästinensergruppe Islamischer Dschihad sprach aber von einem "heldenhaften Einsatz".
Nach Angaben der Regionalverwaltung Schomron, welche die israelischen Siedlungen in dem Gebiet verwaltet, handelte es sich bei den Getöteten um zwei 20 und 22 Jahre alte Brüder aus der nahegelegenen Siedlung Har Bracha.
Ranghohe Vertreter Israels und der Palästinenser kamen am Sonntag zum ersten Mal seit Jahren zu einem Treffen in Jordanien zusammen. Bei den "intensiven und offenen Gesprächen" in der Hafenstadt Akaba am Roten Meer, an denen auch Vertreter Jordaniens, Ägyptens und der USA teilnahmen, vereinbarten beide Seiten laut einer gemeinsamen Erklärung, auf eine "Deeskalation" hinzuwirken und "neue Gewalt zu verhindern".
Das Treffen war nach einer monatelangen Serie gewaltsamer Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Armee vereinbart worden. Am Mittwoch waren bei einem Einsatz der israelischen Armee in Nablus nach palästinensischen Angaben elf Menschen getötet worden, darunter ein 16-jähriger Junge. 80 Menschen wurden verletzt. Es war der blutigste israelische Armeeeinsatz im Westjordanland seit 2005.
Am Donnerstag wurden aus dem Gazastreifen dann mehrere Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee flog daraufhin Luftangriffe auf Ziele in dem Palästinensergebiet.
O.Bulka--BTB