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Kiew in der Nacht von russischen Drohnenangriffen überzogen
Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist in der Nacht zum Montag nach ukrainischen Angaben von der russischen Armee mit einer Serie von Drohnenangriffen überzogen worden. Es seien "23 feindliche Drohnen über der Hauptstadt registriert" und "18 von ihnen abgeschossen" worden, erklärte die Kiewer Militärverwaltung am Montag auf Telegram. Die russischen Streitkräfte setzten demnach Schahed-Drohnen iranischer Bauart ein. Derweil wurde der russische Präsident Wladimir Putin in Minsk erwartet, wo er den belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko treffen wollte.
Die nächtlichen Angriffe galten nach Angaben des staatlichen Stromversorgers Ukrenergo vor allem "Energieanlagen im ganzen Land". In Kiew und zehn weiteren Regionen seien daraufhin "Notabschaltungen eingeleitet" worden, darunter in Sumi, Charkiw, Dnipropetrowsk und Saporischschja.
Um 01.56 Uhr gab die Zivilverwaltung der Hauptstadt einen ersten Luftalarm aus, der etwas länger als drei Stunden andauerte. Ein zweiter Alarm um 05.24 Uhr wurde nach einer halben Stunde wieder aufgehoben. Regionalgouverneur Oleksij Kuleba berichtete, dass "mehrere Infrastrukturen und Privathäuser" "beschädigt" und mindestens zwei Menschen verletzt worden seien.
Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah, wie die Rettungskräfte vor dem Morgengrauen in einem Stadtteil im Westen der Hauptstadt versuchten, ein Feuer in einer Anlage für elektrische Transformatoren zu löschen. Erst am Freitag war Ukrenergo nach einem massiven Angriff auf mehrere Städte mit mehr als 70 Raketen gezwungen gewesen, Notabschaltungen zu verhängen, um das beschädigte Stromnetz zu reparieren. Die Regierung in Kiew und westliche Verbündete bezeichnen die russischen Angriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine als Kriegsverbrechen.
Die USA zeigten sich angesichts der Militärpartnerschaft zwischen Russland und dem Iran besorgt. Moskau biete Teheran im Gegenzug für Drohnen "ein beispielloses Maß an militärischer und technischer Unterstützung" an, hieß es aus Washington. Der Iran erwiderte am Sonntag, er benötige von niemandem eine "Erlaubnis", um seine Beziehungen zu Russland auszubauen.
Mit Blick auf den bevorstehenden Besuch des russischen Präsidenten Putin am Montag in der belarussischen Hauptstadt Minsk sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft, der "Schutz der Grenze zu Russland und Belarus" sei eine "feste Priorität". "Wir bereiten uns auf alle möglichen Verteidigungsszenarien vor", fügte er hinzu.
Putin wollte sich zu einem Arbeitsbesuch mit seinem Kollegen Lukaschenko treffen. Der Kreml-Verbündete ist seit 1994 in Belarus an der Macht. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Interfax das Verteidigungsministerium in Moskau mit der Aussage zitiert, russische Truppen würden in Belarus Militärübungen abhalten. Zum Zeitpunkt und Ort der Übungen machte das Ministerium jedoch keine Angaben.
Das russische Verteidigungsministerium teilte derweil mit, die russische Armee habe im Luftraum über der Grenzregion zur Ukraine vier Raketen aus US-Produktion abgeschossen. "Vier amerikanische Anti-Radar-Raketen vom Typ HARM wurden im Luftraum über der Region Belgorod abgeschossen", hieß es aus Moskau. Die Region wird nach russischen Angaben regelmäßig von den ukrainischen Streitkräften angegriffen.
Eine internationale Ukraine-Konferenz in Paris hatte vergangene Woche Hilfszusagen von gut einer Milliarde Euro erbracht. Die Soforthilfen sollen auch dem Aufbau der bei den russischen Angriffen beschädigten Infrastruktur zugute kommen. Kiew fordert vor allem mehr Waffen, insbesondere Artillerie und Luftverteidigungssysteme.
F.Pavlenko--BTB