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Erstes ESC-Halbfinale mit Favorit Finnland sorgt für gute Einschaltquoten
Nicht nur für Topfavorit Finnland ist das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest (ESC) in Wien ein Erfolg - auch der übertragende Spartensender One kann am Mittwoch jubeln. Trotz des Streits um die Teilnahme Israels verfolgten in Deutschland deutlich mehr Menschen als im vergangenen Jahr die Show am Dienstagabend im Fernsehen. Neben Finnland sicherten sich auch die ebenfalls hoch gehandelten Beiträge aus Griechenland und Israel einen Platz für das Finale am Samstag.
Beim spektakulär inszenierten Auftritt Finnlands besang Pete Parkkonen umringt von Flammen eine toxische Liebe, während Linda Lampenius live Geige spielte. Der Song heißt passend dazu "Liekinheitin" (Flammenwerfer). Für Griechenland tritt Akylas mit "Ferto" an, einer energiegeladenen Spaßnummer mit Videospielästhetik. Für Israel singt Noam Bettan das Popliebeslied "Michelle".
Außerdem konnten sich Schweden, Moldau, Serbien, Kroatien, Litauen und Polen qualifizieren sowie - etwas überraschend - Belgien, das bislang bei den Wettbüros eher hinten gelegen hatte. Portugal, Georgien, Montenegro und Estland schieden aus, ebenso San Marino - der für den Beitrag "Superstar" von Sängerin Senhit extra für zwei Liedzeilen angeheuerte Popstar Boy George konnte daran nichts ändern.
Auch Deutschlands Starterin Sarah Engels trat beim Halbfinale auf, allerdings außer Konkurrenz. Da Deutschland zu den großen Geldgebern gehört, ist Engels mit ihrem Lied "Fire" die Teilnahme am Finale sicher. In den Wettbüros liegt sie im hinteren Mittelfeld. In der Halle in Wien erntete sie Jubel, als sie sich während ihres schwungvollen Auftritts von einem riesigen Würfel in die Arme ihrer Tänzerinnen fallen ließ. Außerdem ließ sie sich in bewährter ESC-Manier das Kleid vom Leib reißen, um in einem goldenen Body weiterzutanzen - zusammen mit dem roten Würfel und einem teils schwarzen Hintergrund ergab das die deutschen Farben.
Schon seit Wochen rechnen die Buchmacher Finnland die besten Siegchancen aus - das änderte sich auch am Mittwoch nicht. Dahinter liegt bei den Wettbüros weiter Griechenland. Im Spartensender One schalteten am Dienstagabend 0,92 Millionen Menschen ein - nach Angaben des Branchendienstes DWDL 250.000 mehr als zum ersten ESC-Halbfinale 2025. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil bei 12,9 Prozent, was One demnach am späteren Abend zum Marktführer bei den Jüngeren machte.
Es ist die 70. Ausgabe des weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerbs, und gleich zu Beginn der Halbfinalshow setzte Gastgeber Österreich voll auf Nostalgie. Schlagerlegende Vicky Leandros sang zusammen mit einem Mehrgenerationenchor das Lied "L'Amour est bleu", mit dem sie 1967 in Österreich für Luxemburg angetreten war.
Die Alpenrepublik hatte im Jubiläumsjahr ursprünglich auf eine Rekordzahl an Teilnehmern gehofft. Doch Wien kann nur 35 Starter begrüßen - so wenige wie seit mehr als 20 Jahren nicht. Spanien, Irland, die Niederlande, Island und Slowenien machen aus Protest gegen die Teilnahme Israels, das wegen seines Vorgehens im Gazastreifen in der Kritik steht, nicht mit.
2025 warb Israel mit einer massiven Kampagne in sozialen Netzwerken für seine Starterin Yuval Raphael. Eine direkte Manipulation der Abstimmung konnte dem Land nicht nachgewiesen werden - der israelische Beitrag gewann aber im vergangenen Jahr unerwartet die Publikumsabstimmung und wurde insgesamt Zweiter. Aus der Debatte zog der ESC Konsequenzen und führte neue Regeln ein. Unter anderem gibt es in den Halbfinals wieder eine Juryabstimmung.
Beim Auftritt des diesjährigen israelischen Kandidaten Noam Bettan waren in der Halle auch Buhrufe und Pfiffe zu hören. In der Wiener Innenstadt hatten zuvor mehrere propalästinensische Aktivisten mit symbolischen Särgen gegen die Teilnahme Israels protestiert.
Nach dem ersten Halbfinale sind nun fünf der 35 Teilnehmer ausgeschieden. Am Donnerstag folgt das zweite Halbfinale mit wieder 15 teilnehmenden Ländern, die um die zehn verbliebenen Tickets für das Finale am Samstagabend kämpfen. Im zweiten Halbfinale treten unter anderem die Mitfavoriten Sören Torpegaard Lund für Dänemark und Delta Goodrem für Australien auf.
Außerdem ist Frankreich mit dem ebenfalls hoch gehandelten Opernpoplied "Regarde" dabei. Sängerin Monroe muss aber nicht um den Einzug ins Finale fürchten - Frankreich ist dafür - wie Deutschland, Italien und Großbritannien - bereits gesetzt. Das gilt auch für Gastgeber Österreich, dessen Beitrag "Tanzschein" von Cosmó ebenfalls in der Show vom Donnerstag gezeigt wird.
G.Frei--VB