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Verheerende Sturzflut: Mindestens 160 Tote und hunderte Vermisste in Nepal und Tibet
Verheerende Sturzflut in Nepal: Bei schweren Überschwemmungen und Erdrutschen sind in dem Himalaya-Staat am Mittwoch mindestens 157 Menschen ums Leben gekommen. Zusammen mit von den chinesischen Behörden gemeldeten drei Toten im an Nepal angrenzenden Tibet starben mindestens 160 Menschen infolge der Katastrophe. Mehrere hundert Menschen wurden noch vermisst, darunter zahlreiche Ausländer.
Die Sturzflut zerstörte nach Angaben von Helfern ganze Ortschaften. Unter den zunächst 403 vermissten Touristen seien 142 Inder sowie Menschen aus den USA, Malaysia, Großbritannien, Australien, den Niederlanden, Portugal, Südkorea, Südafrika, Italien und auch nepalesische Reisende, teilte die nepalesische Tourismusbehörde mit. Die Sturzflut traf unter anderem die Ortschaft Syabrubesi, die der Ausgangspunkt populärer Trecking-Routen ist.
Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin verlautete gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, es habe derzeit "keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen". Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kathmandu stünden mit den örtlichen Behörden "im engen Kontakt".
Die Such- und Rettungsarbeiten liefen auf Hochtouren. "Ganze Dörfer und Märkte sind von der Karte ausradiert", sagte David Fisher von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC). Die Organisation lieferte eigenen Angaben zufolge Hilfsgüter, darunter Decken, Erste-Hilfe-Sets, Tragen und Leichensäcke.
In von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Aufnahmen einer Überwachungskamera war zu sehen, wie mehrstöckige Gebäude und fliehende Menschen plötzlich von einem reißenden Strom fortgetragen wurden. Ein weiteres ebenfalls verifiziertes Video zeigte eine riesige Flutwelle, die sich vergleichbar mit einem Tsunami aus einem kurz zuvor noch friedlichen Fluss erhebt und auf einem Parkplatz mit zerstörerischer Kraft über Busse hinwegfegt.
Der nepalesische Regierungschef Balendra Shah rief die Bevölkerung zum Zusammenhalt auf. "Bitte haben Sie Geduld. Die Regierung übernimmt die volle Verantwortung für Ihre Rettung, Behandlung, Verpflegung und Unterkunft", erklärte Shah in Onlinenetzwerken. "In Zeiten einer solchen Katastrophe müssen wir alle zusammenstehen."
Die nepalesische Armee setzte Hubschrauber und Rettungstrupps in der Katastrophenregion ein. Mehrere Fernstraßen waren blockiert. Zudem wurden Wasserkraft- und Solaranlagen beschädigt. Videoaufnahmen zeigten Wassermassen, die Häuser mit sich rissen, sowie im Schlamm versunkene Gebäude.
Die genaue Ursache der Überschwemmung war zunächst unklar. Nepals Außenminister Shishir Khanal sagte jedoch, wahrscheinlich habe ein Erdbeben einen Erdrutsch ausgelöst, der dann einen Fluss blockiert habe. Das habe dann die Sturzflut verursacht. Laut der nationalen Katastrophenschutzbehörde wiesen Satellitendaten darauf hin, dass ein Erdrutsch an der nepalesisch-chinesischen Grenze die Überschwemmung ausgelöst habe.
"Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen, außerdem Häuser und Menschen", berichtete der Lehrer Suman Chalise aus dem Bezirk Nuwakot. "Es war absolut entsetzlich. So eine Zerstörung habe ich noch nie gesehen."
Der 56-jährige Raju Bhadel berichtete, das Haus der Familie seines Schwagers sei vollständig weggespült worden. Drei Angehörige hätten gerettet werden können, ein weiterer werde noch vermisst.
Auch auf der chinesischen Seite der Grenze kam es zu schweren Schäden. Das chinesische Staatsfernsehen meldete einen Erdrutsch in Tibet am Grenzübergang Gyirong. Laut Berichten von Staatsmedien wurden dabei mindestens drei Menschen getötet, 265 weitere wurden demnach vermisst. Der Staatssender CCTV zeigte Bilder von Wassermassen, die Äste und Trümmerteile mit sich rissen.
Chinas Staatschef Xi Jinping ordnete an, alle verfügbaren Kräfte und Mittel für die Rettungsarbeiten einzusetzen. Die "dringlichste Aufgabe" sei es, "alles Erdenkliche zu tun, um die Vermissten zu suchen und zu retten, die Verletzten schnell zu behandeln und die Opferzahl so gering wie möglich zu halten".
Die Hochwassergefahr war nach Einschätzung eines Experten noch nicht gebannt. Angesichts eines blockierten Wasserlaufs zwischen Nepal und China "könnte eine zweite Flut auftreten", sagte Qianggong Zhang, Leiter der Abteilung Klima- und Umweltrisiken des International Centre for Integrated Mountain Development (Icimod), AFP.
In Nepal ereignen sich wie in ganz Südasien während der bis September andauernden Monsun-Zeit häufig Überschwemmungen und Erdrutsche. Nach Angaben von Wissenschaftlern kommt es infolge des Klimawandels häufiger zu solchen Extremwetter-Ereignissen.
T.Zimmermann--VB